Rabattschlachten tabu China erlässt Verhaltenskodex für seine Autobauer im Ausland

Von Henrik Bork 5 min Lesedauer

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Peking verpflichtet seine Autohersteller zu fairem Wettbewerb im Ausland: Kampfpreise und Rabattschlachten sollen tabu sein. 2025 exportierte China über acht Millionen Fahrzeuge weltweit.

(Bild:  Sanytruck)
(Bild: Sanytruck)

Chinas Autobauer sollen sich im Ausland benehmen. Die Regierung in Peking hat ihnen einen Verhaltenskodex für die Expansion auf die Weltmärkte mit auf den Weg gegeben. Kampfpreise, Rabattschlachten und andere Sitten des Heimatmarktes sollen nicht exportiert werden.

Die Benimmregeln für das Auslandsgeschäft wurden am 1. September vom Handelsministerium, dem Industrieministerium (MIIT) und der Marktaufsichtsbehörde (SAMR) gemeinsam veröffentlicht. Das Dokument heißt offiziell „Leitlinien für das Wettbewerbsverhalten im Ausland und den Aufbau von Compliance in der Automobilindustrie“, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua.

Die vier Kapitel und 20 Artikel dieses „Autoknigges“ sind ein amtlicher Leitfaden, kein Gesetz. Chinesische Autohersteller, die im Ausland agieren, müssten sich weiterhin an die Gesetze und Bestimmungen der Gastländer halten, hieß es ausdrücklich.

Regeln für fairen Wettbewerb

Das umfangreiche Dokument enthält zwei wesentliche Teile. Im ersten geht es um Regeln für einen fairen Wettbewerb. Die Preise für chinesische Autos sollen sich an den Kosten sowie an Angebot und Nachfrage auf den internationalen Automärkten orientieren, heißt es da beispielsweise.

Wenn die Hersteller Preisempfehlungen ausgeben, sollen diese in klare Stufen je nach Ausstattung der Automodelle gegliedert sein. „Häufige oder erhebliche Preisschwankungen“ hingegen seien zu vermeiden, schreiben die drei chinesischen Behörden.

Damit könnte Verbrauchern geschadet oder das Markenimage chinesischer Unternehmen im Ausland beschädigt werden, warnten die Beamten in Peking. Ziel sei vielmehr die „gesunde und geordnete globale Expansion der chinesischen Autoindustrie“, schrieb Xinhua.

Daheim in China ist der Wettbewerb in der Autoindustrie so heftig, dass mit harten Bandagen gekämpft wird. Preisschlachten haben dazu geführt, dass die Margen stark geschrumpft sind. Viele Autobauer versuchen, sich zunächst Marktanteile zu sichern, um später profitabler zu werden.

Die chinesische Regierung kämpft auch im Inland gegen diese für die Industrie selbstzerstörerische „Involution“ oder neijuan (内卷), wie das Phänomen genannt wird – bislang mit durchwachsenem Erfolg. Nun will man diese negativen Begleiterscheinungen des chinesischen E-Autobooms offenbar keinesfalls mit ins Ausland verschiffen.

„Einige Unternehmen haben die heimische Strategie, Preis gegen Volumen zu tauschen, auf ausländische Märkte übertragen. Häufige und erhebliche Preisanpassungen haben zeitweise zu ungeordneten Preisunterschieden zwischen Ländern und zu Parallelverkäufen über Marktgrenzen hinweg geführt“, schreibt die Wirtschaftszeitung Zhongguo Shangbao.

In manchen Ländern der Erde, darunter auch in Deutschland, wächst derzeit ohnehin der Widerstand gegen chinesische Autos, weil heimische Autobauer schlecht für den Wettbewerb mit chinesischen Konkurrenten wie BYD oder Geely gerüstet sind. Außerdem müssen sie wegen unrentabler Produktionsbedingungen und deutlicher Überkapazitäten Werke schließen und Angestellte entlassen.

Die Beamten in Peking fürchten daher, einzelne „schwarze Schafe“ unter den Autofirmen des Landes könnten das Ansehen der chinesischen Autoindustrie insgesamt beschädigen.

„Das Zeitfenster für die Expansion ins Ausland ist begrenzt, und der Zeitpunkt zählt“, schreibt die Autozeitung Zhongguo Qiche Bao. Einige Auto- und Batteriehersteller seien bereits in Patentstreitigkeiten verwickelt, andere hätten Verwarnungen wegen Reparaturvorschriften erhalten. Das bremse das von der Regierung ausdrücklich begrüßte Exportwachstum.

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Compliance als zweiter Schwerpunkt

Im zweiten Teil der Benimmregeln liegt der Fokus daher auf Compliance-Themen. Die Autobauer aus China sollen sich beim Arbeitsschutz, Qualitätsmanagement und Kundendienst sowie bezüglich Arbeitsrecht und Umweltschutz im Ausland regel- und gesetzeskonform verhalten, fordert der umfangreiche Autoknigge.

Auch an Patente, das Kartellrecht und den Datenschutz wird erinnert. Für vernetzte und autonom fahrende Autos sollen Erhebung und Nutzung von Daten sowie der grenzüberschreitende Datentransfer den örtlichen Regeln entsprechen, hieß es.

Hintergrund ist auch, dass die Regierung in Peking Chinakritikern in Brüssel oder den Hauptstädten einzelner Länder keine weiteren Argumente dafür an die Hand geben will, mit Strafzöllen und anderen Handelsbarrieren gegen die Volksrepublik und ihre Autoindustrie vorzugehen.

Trotz Strafzöllen wächst der Marktanteil

Seit die EU 2024 Strafzölle auf chinesische E-Autos erlassen hat, ist der Anteil von in China gebauten Stromern am Gesamtmarkt in Europa leicht gesunken. Aufhalten konnte man den Erfolg chinesischer Autos, die günstig und mittlerweile auch recht gut sind, in Europa damit aber nicht.

Im ersten Halbjahr 2026 verdoppelten Chinas führende Hersteller ihre Neuzulassungen in der EU gegenüber dem Vorjahreszeitraum und kamen zusammen auf 6,6 Prozent Marktanteil, rechnet das Fachmedium Zhineng Qiche Sheji vor.

Ein Marktanteil von 6,6 Prozent ist, wenngleich er schnell wachsen sollte, noch lange kein „Plattmachen“ der deutschen Industrie oder ein „Überfluten“ des europäischen Marktes, wie es populistische Politiker und Medien in Europa derzeit verbreiten.

China und insbesondere seine Autoindustrie sehen sich aber unabhängig von der Faktenlage der akuten Gefahr ausgesetzt, zum Sündenbock für Management- und Politikfehler in Europa und anderswo gemacht zu werden.

Das Wachstum der chinesischen Autoexporte ist ein weltweites Phänomen. Insgesamt 8,32 Millionen Fahrzeuge hat China 2025 in mehr als 200 Länder und Regionen exportiert, zeigen Statistiken des chinesischen Zolls.

Chinesische Autobauer errichten auch zunehmend eigene Werke im Ausland. In mehr als 80 Ländern haben chinesische Firmen inzwischen in die Autoproduktion investiert. Im Juli etwa kündigten Geely und Ford eine Kooperation in Spanien an.

Und der Exporterfolg der chinesischen Autoindustrie lässt nicht nach. Von Januar bis Juli dieses Jahres gingen 6,14 Millionen chinesische Fahrzeuge ins Ausland, gut 66 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres, meldet der Herstellerverband CAAM in Peking.

Branchenverbände schätzen, dass es bis zum Ende dieses Jahres mehr als zehn Millionen exportierte Fahrzeuge sein können. Insbesondere chinesische E-Autos und Hybride verkaufen sich weltweit hervorragend. Fast sechs von zehn exportierten Pkw waren im Juli Elektroautos oder Plug-in-Hybride, berichtet der Pkw-Verband CPCA.

Von „Rausgehen“ zu „stabil vorankommen“

„Sobald die Exporte die Marke von zehn Millionen überschreiten, wird die zentrale Frage für chinesische Autobauer im Ausland nicht mehr sein, ob sie Fahrzeuge verkaufen können, sondern ob sie dauerhaft auf den lokalen Märkten Wurzeln schlagen können“, sagte Zhang Yongwei, Leiter des Forschungsinstituts der Denkfabrik China EV100, laut Zhongguo Qiche Bao.

Die neuen Leitlinien der Regierung für ein tadelloses Auftreten im Ausland zielten genau darauf ab, schreiben chinesische Analysten. Exporte und Investitionen im Ausland sind erwünscht, werden nun aber erstmals für eine spezifische Industrie von explizit kommunizierten Regeln begleitet.

Bisher habe die Parole „zou chuqu“ gelautet – einfach „rausgehen“. Jetzt solle daraus „zou de wen“ werden, was sich in etwa mit „stabil vorankommen“ übersetzen lässt.

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