Nostalgie liegt im Trend. Da passt es, dass die Zahl der mindestens 30 Jahre alten Oldtimer mit Anrecht auf ein H-Kennzeichen in diesem Jahr deutlich wächst. Über 100 Neuheiten des Jahrgang 1991 kommen hinzu. Und erstmals sind auch koreanische Modelle dabei.
Hat im kommenden Jahr ein Anrecht auf ein H-Kennzeichen: die Mercedes S-Klasse (W 140).
(Bild: Daimler)
War sie wirklich besser, die „gute alte Zeit“ des Jahres 1991, die uns nun die ersten H-Kennzeichen-Klassiker aus dem damals gerade wiedervereinigten Deutschland beschert? Tatsächlich feierten vor 30 Jahren fast alle Importmarken ein bis heute gültiges Allzeit-Hoch bei den Verkaufszahlen und sogar die ersten Koreaner wagten sich auf den gefürchteten, weil besonders umkämpften deutschen Markt.
Andererseits verabschiedeten sich im Frühling 1991 die legendären Volksautos der vormaligen DDR, die zum bitteren Ende vergeblich durch VW-Motoren aufgefrischten Trabant- und Wartburg-Typen. Wehmut kannten die turbulenten frühen neunziger Jahre allerdings nicht, schließlich schien das Zusammenwachsen zwischen Ost- und Westeuropa den Menschen gänzlich neue Möglichkeiten zu gewähren.
Eine Aufbruchstimmung, zu der neue Autos als Symbole für grenzenlose Mobilität perfekt passten. So debütierten 1991 in Deutschland rund 100 neue Modelle, von denen dank gesetzlich vorgeschriebenem Abgaskatalysator und optimierter Rostvorsorge mehr Fahrzeuge als je zuvor ihren 30. Jahrestag der Erstzulassung feiern können: Dieser ist neben dem technisch einwandfreien, originalen Zustand die entscheidende Voraussetzung für den amtlichen Oldtimerstatus durch ein H-Kennzeichen. Von schnellen Sportlern wie Alpine A610 und Bugatti EB 110 über den ersten Opel Astra bis zum VW Golf VR6 ist alles dabei.
Während die neue Mercedes S-Klasse (W 140) vor dem Bonner Bundestag vorfuhr, der Berlin als deutsche Hauptstadt wählte, und in Maastricht ein politisches Gipfeltreffen die Einheit Europas vorantrieb, überwand auch der Automobilmarkt Grenzen und zeigte sich in großer Vielfalt: „Der erfolgreichste Herausforderer im neuen Europa: Hyundai“, erläuterte der hierzulande damals noch unbekannte koreanische Hersteller selbstbewusst seinen Anspruch, den mittlerweile längst vergessene billige Kompakte wie Pony und Lantra erfüllen sollten.
Allgegenwärtiger Pioniergeist
Ob es Hyundais selbstbewusste Slogans waren wie „In kürzester Zeit eine der größten Importmarken in den USA und heute markante Erfolge in Deutschland“ oder der in den frühen 1990er Jahren allgegenwärtige Pioniergeist: Mit Kia, Daewoo, SsangYong und Proton wagten wenig später die nächsten Marken aus den asiatischen Tigerstaaten den großen Sprung nach Deutschland, wenn auch mit unterschiedlicher Fortune.
Besonders die neu hinzu gekommenen östlichen Bundesländer zeigten sich offen für Importmarken, die dort frühzeitig ein dichtes Vertriebsnetz aufbauten. Renault erfolgreicher als Volkswagen: Ostdeutschland machte es möglich und die Franzosen bedankten sich mit eigens kreierten Modellnamen wie Bellevue für den Renault 19 Stufenheck, der ebenso wie der in Eisenach gebaute Opel Vectra viele ehemalige Wartburg-Kunden überzeugte.
Trend zum Open-Air-Fahrvergnügen
An eine Klimakatastrophe dachte damals noch kaum einer, im Gegenteil: Die Medien bejubelten einen trockenen und heißen „Super-Sommer der Rekorde“ und immer mehr Hersteller beschleunigten den Trend zum Open-Air-Fahrvergnügen. „Sonnenplätze bitte rechtzeitig reservieren“, warb Renault für das neue mit dem noch unabhängigen Karossier Karmann realisierte R 19 Cabriolet.
Mercedes präsentierte derweil die bereits seit sieben Jahren verkaufte Baureihe W 124 als elegant gezeichnetes familientaugliches 300 CE-24 Cabriolet zu exklusiven Preisen, die aber die Begehrlichkeit dieses Sonnenkönigs mit starkem Sechszylinder nur noch steigerten. Damals war das edle Cabrio mit Stern ein Konkurrent des fast ebenso kostspieligen Saab 900 Cabriolets, heute erzielen beide als Kultklassiker schwindelerregende Preise.
Auch die zweite Stuttgarter Premiummarke, Porsche, präsentierte 1991 ein Cabrio. Diesen neuen Porsche 968 gab es alternativ als Coupé und er löste den altgedienten Bestseller 944 ab. Genau genommen handelte es sich um die letzte Evolutionsstufe der erfolgreichen Sportwagen in Transaxle-Bauweise und das nicht ohne einen Superlativ zu setzen: Kein anderer Vierzylinder-Benziner bot damals mehr Hubraum als dieses 3,0-Liter-Aggregat.
Stand: 08.12.2025
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