Das hybride Performance-SUV aus dem Hause Lotus schafft die Quadratur des Kreises: Es verbindet 2,6 Tonnen Gewicht mit dem Kurvengeschick eines Sportwagens und liefert bis zu 952 PS Systemleistung bei 1.200 Kilometern Reichweite.
Den Plug-in-Hybriden Lotus Eletre X gibt es in zwei Varianten: Die Einstiegsversion H550 startet preislich bei 96.990 Euro. Damit kostet das Modell 3.000 Euro weniger als das vollelektrische Pendant Eletre 600.
(Bild: Mauritz – VCG)
Braucht es mit Blick auf die steigende Akzeptanz der Elektromobilität wirklich den Plug-in-Hybriden Lotus Eletre X? Sind die gut 500 Kilometer Reichweite des vollelektrischen Eletre nicht genug? Das fragten sich mehrere deutsche Motorjournalisten bei der Präsentation des 5,1 Meter langen, teuren Hyper-SUVs. Nach mehreren Hundert Kilometern Fahrt mit dem Eletre X lautet die Antwort: Ja, das Modell ist tatsächlich eine sinnvolle Ergänzung zum vollelektrischen Pendant. Lotus rechnet nicht umsonst damit, dass sich rund 60 Prozent der europäischen Käufer für den Eletre X entscheiden werden. Die Gründe sind vielfältig: So gibt es längst nicht in jedem Land eine so gut ausgebaute Ladeinfrastruktur wie in Deutschland, in den Niederlanden oder Skandinavien. Und nicht überall ist die Reichweitenangst Schnee von gestern.
Doch zu sagen, dass der Eletre X in erster Linie für Zauderer entwickelt worden ist, denen die maximal 1.200 Kilometer Gesamtreichweite ein Gefühl der Sicherheit vermittelt, wäre zweifelsfrei zu kurz gegriffen. Vielmehr visiert die Sportwagen-Marke aus dem Hause Geely mit ihrem Plug-in-Hybriden sportlich ambitionierte Fahrer an, bei denen die Fahrfreude das wichtigste Kaufargument ist. Und die ist im jüngsten Lotus-Modell garantiert. Nicht nur im 700 kW/952 PS starken Topmodell Eletre X H1000, das preislich bei 119.990 Euro startet, sondern auch im mindestens 96.990 Euro teuren Basismodell Eletre X H550, das mehr als ausreichende 405kW/550 PS Leistung auf die Straße bringt.
Das Herzstück des Eletre X, das hybride Antriebskonzept namens X-Hybrid, hat der britische Hersteller von Grund auf neu entwickelt. Das Prinzip heißt „Electro first“. Bis zu einer Höchstgeschwindigkeit von 85 km/h treibt ein 7- kWh-/900-Volt-Akku zwei duale Permanent-Magnet-Motoren an: in der Topversion H1000 einen 310 kW vorne und 390 kW hinten. Ein 150 kW Onboard-Stromgenerator, der von einem hocheffizienten 2,0-Liter-Turbobenziner angetrieben wird, sorgt dafür, dass auch auf langen Fahrten und bei geringer Akkuladung konstant genug Energie vorhanden ist. Bei höherer Geschwindigkeit und anspruchsvollen Betriebsbedingungen treibt der Motor die Vorderräder auch direkt an. Auch wenn der Eletre X automatisch den sinnvollsten Vortrieb wählt, kann der Fahrer auf Wunsch manuell eingreifen. Im Pure-EV-Modus gleitet das SUV lautlos durch die Stadt, während man im Hybrid-Modus die gewünschte Restladung der Batterie angeben kann. Der Wechsel zwischen dem rein elektrischen Vortrieb und der Hybridunterstützung ist so sanft, dass man ihn bei der Fahrt nicht wahrnimmt. Man hat tatsächlich immer das Gefühl, elektrisch zu fahren. Zu diesem konstanten Fahrgefühl trägt auch das Ein-Gang-Getriebe bei.
In Summe bringt das Antriebssystem in der Spitzenversion des Eletre X beeindruckende 700 kW/952 PS auf die Straße, bei einem maximalen Drehmoment von 935 Newtonmeter. Am besten spüren lässt sich diese brachiale Leistung bei der Beschleunigung vom Stand aus: Den Sprint von 0 auf 100 km/h meistert das gut 2,6 Tonnen schwere Performance-SUV erstaunlich schwerelos und mit dezenter Unterstützung des Turbobenziners in gerade einmal 3,3 Sekunden. Auch Schnellfahrer kommen im sportlichen Plug-in-Hybriden auf ihre Kosten: Abgeregelt ist der Eletre X H1000 erst bei 230 km/h. Mit dem Eletre x H550 sind bis zu 210 km/h möglich.
Fünf verschiedene Fahrmodi – Tour, Sport, Range, Offroad und Individual – überlassen es dem Fahrer, ob der Eletre X eher als lautloser Langstreckenbegleiter, sportlicher Kurvenjäger, zuverlässiger Offroader oder als Effizienzmeister fungiert.
900-Volt-Architektur
Im Alltagsgebrauch dürfte der Eletre X dank seiner beachtlichen elektrischen Reichweite von realistischen 305 Kilometern vorwiegend elektrisch genutzt werden – zumal der Ladevorgang, anders als bei vielen anderen PHEVs, schnell erledigt ist. Das Performance-SUV braucht dank einer maximalen Ladeleistung von 436 kW an geeigneten Schnellladesäulen gerade einmal neun Minuten, um von 20 auf 80 Prozent zu laden – da beide Eletre-X-Varianten auf der 900-Volt-Architektur basieren, laden auch beide gleich schnell. Das AC-Laden von 0 auf 100 Prozent mit dem standardmäßigen 11-kW-Bordgerät dauert hingegen gute sieben Stunden. Im Tandem ermöglichen der 70-kW-Akku und der großzügig dimensionierte 52-Liter-Tank eine maximale Gesamtreichweite von 1.200 Kilometern.
Stand: 08.12.2025
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Auf den Testfahrten variierte der Verbrauch je nach Fahrmodus stark: bei einer rein elektrisch zurückgelegten Strecke vermeldete der Bordcomputer einen Stromverbrauch von 22,2 kWh/100 km. Im automatischen Hybridmodus verbrauchte der Eletre X H 1000 3,7 Liter Benzin und 16,2 kWh/100 km Strom. Auf der Fahrt mit dem Eletre X H 550 vermeldete der Bordcomputer hingegen 3,2 Liter Sprit- und 10,9 kWh Stromverbrauch pro 100 Kilometer. Mit Blick auf das Gewicht und die Leistung sind das Verbrauchswerte, die sich sehen lassen können.
Aktive Wankstabilisierung
Was Lotus als sportliche Speerspitze des Geely-Konzerns auszeichnet, ist die legendäre Ingenieurs-Expertise in Fahrdynamik und Agilität. Es überrascht daher nicht, dass die Entwickler genau hierauf auch beim Eletre X ein besonderes Augenmerk gerichtet haben: Zur Geltung kommt das vor allem auf kurvigen Bergstraßen. Dank aktiver Wankstabilisierung und einer makellosen Fahrwerksabstimmung klebt der Eletre X förmlich auf dem Asphalt und wirkt gleichzeitig deutlich leichter als sein tatsächliches Gewicht. Adaptive Zweiventil-Dämpfer, die binnen zwei Millisekunden auf veränderte Straßenverhältnisse reagieren, stellen zugleich sicher, dass man als Insasse selbst bei kleineren Schlaglöchern kaum mitbekommt und im Kurven-Flow bleibt.
Der luxuriöse, aber zugleich modern wirkende Innenraum rundet das außergewöhnliche Lotus-Erlebnis ab. Die für ein Performance-SUV auffallend komfortablen Sitze, die unter anderem mit einer Massagefunktion punkten, bieten einen guten Seitenhalt, ohne einzuengen. Der Eletre X ist klar auf Langstreckenkomfort ausgerichtet.
Eine riesiges Panoramadach sorgt für ein luftiges Raumgefühl, der 15,1 Zoll große zentrale Touchscreen spielt die Inhalte gestochen scharf aus. Während manch anderer Hersteller dazu übergegangen ist, das digitale Kombinstrument, das zentrale Display und den Beifahrer-Bildschirm zu einer optischen Einheit zu vereinen, die sich über das komplette Armaturenbrett zieht, beschränkt sich Lotus beim Fahrer und Beifahrer auf ein schmales Displayband. Die Krönung im luxuriösen Innenraum aber ist das High-End-Soundsystem mit 23 Lautsprechern und 2.160 Watt Leistung. Es sorgt dafür, dass sich der geräuscharme Innenraum des Eletre auf Wunsch in einen akustisch brillanten Konzertsaal verwandelt.