Mit rund 4,13 Millionen Einheiten ist er das bis heute meistverkaufte Opel-Modell. Anfang der 90er-Jahre bot der Astra F viel Sicherheit und viel Platz und war obendrein öknomisch.
Der Opel Astra F wurde im September 1991 erstmals vorgestellt und war zunächst als drei- bzw. fünftürige Schräghecklimousine erhältlich, während der fünftürige Caravan im Oktober 1991 folgte. Im Mai 1992 gelangte die klassische Stufenhecklimousine zu den Händlern. Das Cabriolet, das wie der offene Kadett E bei Bertone entworfen wurde, komplettierte im August 1993 das Programm.
(Bild: Opel GmbH)
„Der König ist tot, es lebe der König“: Kaum ein berühmter Satz dürfte vor 35 Jahren in Rüsselsheim besser gepasst haben wie dieser. Schließlich ging nach 55 Jahren eine Ära zu Ende – die des Kadett. Länger als Volkswagen hierzulande seine Markenikone, den Käfer baute bzw. anbot, lieferte Opel seinen Offiziersanwärter auf Rädern lange Zeit als direkte Konkurrenz zum Wolfsburger. Doch nun war Schluss, zumindest mit dem Namen. Denn an dem seit 1974, dem Erscheinungsjahr des VW Golf, bestehenden und hart ausgefochtenen Kampf um Käufer und Plätze in der Zulassungsstatistik änderte sich nichts. Nun sollte ein neuer Name dabei helfen, dem inzwischen ewig Zweiten in der Hitliste nach ganz oben zu verhelfen. „Astra“ lautete er, „Astra F“ um genau zu sein. Ein verständlicher Namenszusatz, schließlich hörte der direkte Vorgänger auf „E“. Dem Alphabet folgend war der letzte Kadett die fünfte Generation des Kadett, die von 1936 bis 1940 Urversion nicht mitgerechnet.
Zur Premiere des Opel Astra F im Jahr 1991 befand sich die Welt im Wandel – politisch und gesellschaftlich genauso wie mit Blick auf ein steigendes Umweltbewusstsein. Für die Autohersteller eine herausfordernde Aufgabe: Ihre Fahrzeuge sollten einerseits weniger Schadstoffe ausstoßen und den Verbrauch senken und andererseits die steigenden Kundensprüche an den Komfort erfüllen. Nicht nur der von seinem britischen Vauxhall-Pendant übernommene Name war auf dem Kontinent neu. Neu war auch das Platzangebot des Astra F: Ein deutliches Plus gegenüber dem Vorgängermodell bei fast identischen Außenabmessungen. Auch in Sachen Ökonomie und Ressourcenschonung setzt der Neue dank der Verwendung recyclingfähiger Materialien Akzente. Dieses Gesamtkonzept überzeugt die Kunden: Von 1991 bis 1997 laufen rund 4,13 Millionen Astra F vom Band – im Vergleich zu 4,8 Millionen Einheiten des Golf in dieser Zeit. Damit ist er das bis heute meistverkaufte Opel-Modell
GSI besser als GTI
Bei der Modell- und Antriebspalette des Astra F blieben keine Wünsche offen. Die Kunden konnten aus diversen Benzin- und Dieselaggregaten wählen. Die 1,4-, 1,6-, 1,8- und 2,0-Liter Benziner fuhren mit Drei-Wege-Katalysator vor, die Selbstzünder mit 1,7-Liter-Hubraum verfügten über einen speziell entwickelten Diesel-Oxidationskatalysator. Der Astra rollte im Herbst 1991 zunächst als fünftürige Fließheck-Variante, als fünftüriger Caravan und als Sportversion Astra GSi zu den Händlern. Als echt heißes Sportgerät war der GSi damals ausschließlich als Dreitürer erhältlich. Das Top-of-the-Line-Modell fuhr wahlweise mit 85 kW (115 PS)- oder 110 kW (150 PS)-Zweiliter-Motor vor – letzterer mit 16 Ventilen und zwei obenliegenden Nockenwellen. Damit war der GSI nicht nur nominell stärker und schneller als GTI aus Wolfsburg, er hatte auch technisch den anspruchsvolleren Antrieb unter der Haube. Nicht umsonst wurde der Motor mit dem internen Code C20XE das erfolgreichste Aggregat in der Formel 3. Die viertürige Stufenheck-Limousine folgt im Frühjahr 1992. Und ein Jahr später konnten sich Freiluft-Fans über das vom italienischen Karosseriehersteller Bertone gefertigte Astra Cabrio freuen.
Mit seinen Sicherheitsfeatures setzte der Astra F neue Standards in der Kompaktklasse. Zum „Opel Safety System“ zählen unter anderem Doppelrohr-Verstärkungen in den Türen, die vor einem Seitenaufprall schützen. Die Sitzrampen verhindern im Falle eines Frontalaufpralls das „Wegtauchen“ unter dem Gurt, die Gurtstraffer halten den Körper sicher im Sitz. 1994 führte Opel für Fahrer und Beifahrer serienmäßig Full-Size-Airbags ein, was die passive Sicherheit weiter erhöht. „Full size“ gilt beim Astra F auch im Innenraum. Im Vergleich zum Kadett E verfügen die Passagiere über fühlbar mehr Platz. Die Opel-Ingenieure haben die Windschutzscheibe um 74 Millimeter nach vorne versetzt und Kopf- und Kniefreiheit um bis zu 50 Millimeter erhöht. Die neue Geräumigkeit geht dabei nicht auf Kosten der vorbildlichen Aerodynamik. Der cW-Wert des Astra F GSi beträgt nur 0,30.
Erfolge auch im Motorsport
Die Ingenieure hatten aber nicht nur Wert auf hohe Sicherheitsstandards und ein angenehmes Raumgefühl gelegt – auch die effiziente Nutzung von Ressourcen stand bei der Entwicklung des Astra F im Mittelpunkt. Große Teile der Instrumententafel, der Innenverkleidung, der Sitze und der Mittelkonsole sind aus Polypropylen; dafür hatte Opel eigens ein ressourcenschonendes Recyclingverfahren entwickelt. Weitere Fahrzeugteile wie Stoßfängerträger und Radlaufverkleidungen bestehen ebenfalls aus Recyclingmaterial. Auch in Sachen On-Board-Elektronik war der Asta F auf der Höhe der Zeit: Das „Multi Info Display“ am Kopf der Mittelkonsole kombinierte Anfang der 90er-Jahre weltweit erstmals die Anzeigen von Radio, Bordcomputer und Kontrollhinweisen in einem Display, sodass der Fahrer alles im Blick hat.
Stand: 08.12.2025
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Vorreiter in der Kompaktklasse war der neue Astra zudem mit seinem „Clean Air System“, das die Passagiere vor Pollen, Staub und Schmutzpartikeln schützt. Und der GSi 16V war im Astra-Segment („Golf-Klasse“) der Erste mit elektronischer Traktionskontrolle. Zudem war der Astra F eine leistungsstarke und zuverlässige Basis für den Motorsport. So wurde Opel 1993 direkt in der ersten Saison des „FIA Cup for Manufacturers of Touring Cars (2-litre)” Marken-Weltmeister. Und 1997 fuhr ein Opel Astra GSi 16V in der Gruppe N beim Veedol-Langstreckenpokal auf dem Nürburgring den Sieg ein.
Technologie-Plattform Astra F: Basis für Elektroantrieb
Der Astra F spiegelte aber nicht nur den damaligen Zeitgeist wider, er diente auch als Technologie-Plattform für künftige alternative Antriebssysteme. Mit dem „Astra Impuls III“ führte Opel von 1993 bis 1997 den ersten Elektroauto-Großversuch des Unternehmens durch. Eine Flotte von zehn Impuls III lief auf der Ostseeinsel Rügen im Testbetrieb. Die Fahrzeuge legten dabei insgesamt 350.000 Kilometer zurück. Fünf der Elektro-Astra bezogen die Energie aus einer Nickel-Cadmium-Batterie (45 kW/61 PS), fünf weitere aus einer Natrium/Nickelchlorid-Hochenergiebatterie (42 kW/57 PS). Alle zehn Astra Impuls III verfügten über einen Drehstrom-Asynchron-Motor. Der Astra Impuls III erreicht so eine Geschwindigkeit von 120 km/h und eine Reichweite von 150 Kilometern. Von 1997 bis 1999 erweitert Opel schließlich noch den Großversuch: In diesem Zeitraum fuhren die Impuls III in Aachen, Maastricht und Lüttich.
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