Feser-Graf-Gruppe: Regional verwurzelt

43 Standorte in Bayern und Sachsen-Anhalt

| Autor: Yvonne Simon

Die Feser-Graf-Gruppe ist in Mittelfranken stark präsent, beispielsweise durch das Auto-Zentrum Nürnberg-Feser.
Die Feser-Graf-Gruppe ist in Mittelfranken stark präsent, beispielsweise durch das Auto-Zentrum Nürnberg-Feser. (Foto: Feser Graf)

Es waren Mitarbeiter der großen mittelfränkischen Autohandelsgruppe, die 2017 den After-Sales-Weltmeistertitel nach Deutschland holten. Nachdem sich das Team des Audi-Zentrums Fürth zunächst bundesweit durchgesetzt hatte, meisterte es beim Finale des Audi-Service-Wettbewerbs Twin Cup in Spanien die ihm gestellten Service- und Werkstattsituationen besser als die internationale Konkurrenz.

Mit ihren Betrieben bei Wettbewerben und Auszeichnungen vorne dabei zu sein, ist für die Feser-Graf-Gruppe mit Hauptsitz in Nürnberg keine Seltenheit. 2017 wählte etwa Skoda die Autohäuser Feser-Joachim und Feser-Lauf in die Top 50 Deutschlands und 2017 zeichnete Audi vier Betriebe der Gruppe als Audi-Top-Servicepartner aus.

Die Erfolge kommen für die Gruppe nicht von ungefähr, denn die Weiterbildung der Mitarbeiter hat bei Feser-Graf einen hohen Stellenwert. Das Unternehmen verfügt daher über ein eigenes Schulungszentrum und bietet dort interne Workshops an, in enger Kooperation mit zahlreichen Weiterbildungsinstitutionen in der Region. Die Nachwuchsakademie befasst sich zudem mit dem Aufbau von Führungskräften aus den eigenen Reihen. Auch für die Entwicklung der Auszubildenden stellen interne Weiterbildungsmöglichkeiten eine zentrale Säule dar. Neben den üblichen Lehrgängen führt die Gruppe IT-Trainings und Workshops durch, beispielsweise zum Telefonieren, zur Kommunikation und zur Kundenbehandlung sowie zum Qualitäts- und Servicemanagement.

An das Schulungszentrum ist außerdem ein IT-Zentrum angegliedert. Im EDV-Bereich fallen immer wieder Lehrgänge für die Mitarbeiter der Autohäuser an, beispielsweise bei der Umstellung auf ein neues Dealer-Management-System. Neue Software führt am Anfang in der Regel zu einer erhöhten Arbeitsbelastung – zumindest bis alle Mitarbeiter der Gruppe darauf geschult sind.

Durch Fusionen gewachsen

Derzeit sind rund 2.040 Mitarbeiter und 350 Auszubildende bei der Feser-Graf-Gruppe beschäftigt. Über die Jahre ist die Anzahl der Mitarbeiter kontinuierlich gewachsen, zwischen 2008 und 2017 hat sich die Größe der Belegschaft mehr als verdoppelt. Grund dafür ist unter anderem die Eingliederung mehrerer größerer Autohäuser in das Unternehmen. 2009 kam das Autohaus Joachim als Feser-Joachim unter das Dach der Gruppe. 2011 kam das Autohaus Biemann hinzu. 2015 erfolgte die Eingliederung der Audi-Aktivitäten der Georg Breitschwert GmbH in Ansbach unter der Firmierung Feser-Breitschwert.

Bei der Eingliederung der neuen Betriebe legte die Feser-Graf-Gruppe großen Wert darauf, die Eigenständigkeit der übernommenen Autohäuser zu erhalten. Die Betriebe tragen weiterhin einen Teil ihres alten Namens, außerdem übernahm das expandierende Unternehmen alle Mitarbeiter. Ziel der Fusionen war es, das Marktgebiet der Gruppe abzusichern und zu stärken.

Eine Fusion legte 2000 auch den Grundstein für die gesamte heutige Feser-Graf-Gruppe. Die Wiege von Feser stand in Bernburg bei Halle an der Saale. 1929 gründeten Walter und Charlotte Feser dort eine Motorradwerkstatt. 30 Jahre später siedelte die Familie aus der damaligen DDR in den Westen über und baute im mittelfränkischen Schwabach einen Volkswagen-Händlerbetrieb auf. Ganz in der Nähe liegen die Wurzeln der Familie Graf. Wilhelm Graf Senior eröffnete 1947 eine Reparaturwerkstatt in Fürth. Zur Jahrtausendwende schlossen sich die beiden Familienunternehmen schließlich zusammen.

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Historie der Feser-Graf-Gruppe

Handel mit sechs Marken

Seitdem ist das Unternehmen auf insgesamt 43 Betriebe angewachsen, die sich mehrheitlich in Bayern sowie an den beiden Standorten Bernburg und Magdeburg in Sachsen-Anhalt befinden. Dort handelt die Feser-Graf-Gruppe sechs Marken des Volkswagen-Konzerns:

  • VW
  • VW Nutzfahrzeuge
  • Audi
  • Seat
  • Skoda
  • Lamborghini

Für die Marke Porsche betreibt die Gruppe außerdem ein Service-Zentrum in Nürnberg.

An den verschiedenen Standorten bedient Feser-Graf zahlreiche Kundengruppen und Interessenten individuell. Bereits 2001 baute das Unternehmen den Feser-Automarkt in Heideck auf. Dort finden Kunden auch gebrauchte Sport- und Luxuswagen. Für Gewerbekunden betreibt das Unternehmen sieben Leistungszentren, an denen sich über 20 Großkundenbetreuer um wichtige Fuhrparks kümmern. Zudem spielt der Handel mit Ersatzteilen eine wichtige Rolle für die Gruppe. An der Heisterstraße in Nürnberg unterhält Feser-Graf das größte Ersatzteillager Nordbayerns für Volkswagen und Audi.

Ergänzendes zum Thema
 
Standorte der Feser-Graf-Gruppe

Wechsel in der Geschäftsleitung

Die stetig steigende Anzahl an Betrieben und die damit einhergehende wachsende Komplexität des Tagesgeschäfts haben 2015 Veränderungen in der Unternehmensleitung erfordert. Seit der Gründung der Feser-Graf-Gruppe hatten Uwe Feser und Wilhelm Graf als Gesellschafter an der Spitze der Feser-Graf-Automobilholding gestanden. Beide haben sich 2015 aus dem operativen Geschäft zurückgezogen, gestalten aber weiterhin gemeinsam die strategische Zukunftsplanung der Gruppe. Dafür wechselten Markus Kugler, zuvor Geschäftsführer Auto-Zentrum Nürnberg-Feser, und Till Heinrich, vorher Geschäftsführer der Feser-Graf-Dienstleistungsgesellschaft, im Juli 2015 in die Holding und verantworten seitdem das operative Geschäft.

„Ich möchte meinen Fokus mehr auf die strategische Ausrichtung des Unternehmens richten und mich ein Stück weit aus dem Alltagsgeschäft zurückziehen“, begründete Uwe Feser die Entscheidung und bestärkte die neue Führung: „Für mich ist das eine starke Kombination aus fachlichen und persönlichen Kompetenzen von zwei Menschen, die gut harmonieren und sich durch ihr großes Wissen in den jeweiligen Bereichen hervorragend ergänzen werden.“ Feser möchte sich unter anderem intensiver um die Immobilienprojekte der Unternehmensgruppe kümmern. Schließlich erfordere ein Unternehmen dieser Dimension mit entsprechend großem Immobilienbestand auch ein aktives Immobilienmanagement.

Laufender Modernisierungs- und Erweiterungsprozess

Kugler und Heinrich passen die einzelnen Betriebe der Feser-Graf-Gruppe nun verstärkt an die Anforderungen der Zukunft an. Das heißt auch, dass die Geschäftsführer immer wieder größere Summen investieren müssen, um Standorte umzubauen oder neu zu errichten.

So eröffnete Feser-Graf im Oktober 2018 einen neuen Standort für die Marken Skoda und Seat in Magdeburg und baute somit die Präsenz des Unternehmens in Sachsen-Anhalt aus. Auf insgesamt rund 15.000 Quadratmetern sollen dort mittelfristig 380 Neuwagen und 260 Gebrauchtfahrzeuge des tschechischen Fabrikats sowie 350 neue und 200 gebrauchte Seat verkauft werden. Die Baukosten betrugen 2,9 Millionen Euro.

Auch 2017 standen mehrere erhebliche Investitionen an. Wie die „Fürther Nachrichten“ berichteten, baute die Gruppe gemeinsam mit der Firma Kießling auf einem rund 17.000 Quadratmeter großen Gelände ein neues Lackierzentrum in Fürth. Die beiden Unternehmen teilten sich die Investitionssumme von 9,7 Millionen Euro jeweils zur Hälfte. Bis zu 18 Fahrzeuge können in der Lackierstraße in der rund 6.000 Quadratmeter großen Industriehalle gleichzeitig bearbeitet werden.

Im Juli 2017 eröffnete die Gruppe außerdem in Burgoberbach bei Ansbach einen neuen Mehrmarkenbetrieb unter der Firmierung Feser-Breitschwert. Auf dem 22.000 Quadratmeter großen Grundstück an der B13 will die Gruppe jährlich rund 1.300 Fahrzeuge der Marken Audi, Seat und Skoda verkaufen und beschäftigt dort 50 Mitarbeiter und 10 Auszubildende. Die Investitionssumme belief sich auf insgesamt 6,8 Millionen Euro.

Anfang März 2016 entstand nach knapp sieben Monaten Bauzeit ein neuer VW-Betrieb in Herzogenaurach. Der Standort bietet nach Angaben des Unternehmens auf einer Gesamtfläche von rund 6.500 Quadratmetern Platz für einen Werkstattbereich mit zehn Hebebühnen, einen Verkaufsraum mit vier Verkäuferarbeitsplätzen und 500 Quadratmeter Ausstellungsfläche sowie mehr als 80 ständig verfügbare Neu- und Gebrauchtwagen. Der Neubau kostete die Gruppe rund 7 Millionen Euro. Kurz darauf ging Feser-Graf mit einem neuen VW-, Seat- und Skoda-Betrieb in Forchheim an den Start, in den die Gruppe rund 5,5 Millionen Euro steckte.

In den beiden Vorjahren standen der Neubau des Volkswagen-Gebrauchtwagen-Zentrums in der Nopitschstraße in Nürnberg und die Komplettsanierung der Standorte in Erlangen auf der Agenda. Hinzu kamen der Umbau der Audi- und Skoda-Betriebe nach Marken-CI-Vorgaben, der Umbau der Nutzfahrzeughalle Auto-Zentrum Nürnberg-Feser, die Neueröffnung des Seat-Betriebs in Schwabach, der Bau eines Servicezentrums am Standort Fürth und die Eröffnung des Gebrauchtwagen-Zentrums Audi Marienberg.

Der kontinuierliche Modernisierungs- und Erweiterungsprozess zahlt sich für Feser-Graf aus. Der Umsatz der Gruppe ist über die vergangenen Jahre stetig gewachsen, auch der Absatz entwickelte sich trotz Diesel-Problematik leicht positiv. Im Jahr 2017 setzte das Unternehmen rund 28.000 Neu- sowie 26.600 Gebrauchtwagen ab und erwirtschaftete einen Gesamtumsatz von rund 1,2 Milliarden Euro.

Fokus auf Digitalisierung

Der Verkauf läuft dabei zunehmend online ab. Rund 60 Prozent aller Gebrauchtwagen verkauft die Gruppe über ihre Homepage. Das Unternehmen hat deshalb in den letzten Jahren ihr Social-Media-Engagement deutlich ausgebaut und den Internetauftritt komplett überarbeitet. „Das Feser-Graf-Portal gewinnt immer mehr an Bedeutung“, erklärt Markus Kugler und fügt hinzu: „Die Onlinemedien ergänzen die klassischen Printmedien im Rahmen von 360-Grad-Kampagnen. Wir setzen verstärkt auf SEA/SEO und erzielen damit bereits große Erfolge. Auch auf Facebook sind viele unserer Betriebe sehr aktiv und verstärken damit den Kontakt zu unseren Kunden.“

Die Digitalisierung sämtlicher Geschäftsprozesse gehört für die Unternehmensgruppe zu den großen Herausforderungen der nächsten Jahre. Nach Meinung von Till Heinrich wird damit auch ein Wandel in den Köpfen der Menschen verknüpft sein, sowohl auf Kunden- als auch auf der Mitarbeiterseite. „Das verstehen wir als das ,Loslassen‘ von Altbewährtem und das Implementieren eines neuen Denkens. Dazu gehört aber auch ein neues Datenmanagement als Voraussetzung für veränderte Anspracheformen und Kontaktarten mit unseren Kunden“, erklärt Heinrich.

E-Mobilität im Blick

Weiterhin stehen neue Themen wie Elektromobilität, autonomes Fahren und Carsharing im Fokus der Geschäftsführer. „Das muss man sehr genau beobachten, damit wir rechtzeitig auf Veränderungen reagieren können“, so Kugler. Schon jetzt versorgt die Feser-Graf-Gruppe die Region flächendeckend mit E-Mobilitätsangeboten. „Wir sind sehr gespannt darauf, wie der VW-Konzern seine E-Mobilitätsstrategie, die wir als sehr fortschrittlich empfinden, weiterentwickeln wird. Wir werden jedenfalls diesen Weg gerne mitgehen.“

Allgemein blickt die Gruppe optimistisch nach vorne und sieht die Zukunft weiterhin im stationären Handel. Deshalb baue das Unternehmen seine Autohauspräsenzen in ihrem Marktgebiet weiter aus. „Bei der Konsolidierung unserer Unternehmensgruppe setzen wir auf Skaleneffekte. Und wir freuen uns auf die neue Modellvielfalt, die unser Hersteller auf den Markt bringen will“, sagt Kugler.

Kulturell und sozial engagiert

Neben dem Blick in die Zukunft gibt es bei Feser-Graf auch den Blick in die Geschichte. In einigen Betrieben der Gruppe hatten Kunden in der Vergangenheit nicht nur die Möglichkeit, neue Fahrzeuge zu sehen, sondern auch VW-und Audi-Oldtimer sowie Modelle von Horch, Wanderer, DKW und weiteren historischen Fabrikaten. Old- und Youngtimer sind das große Hobby von Seniorchef Udo Feser. Über 50 historische Fahrzeuge hat er im Lauf der Zeit gesammelt. Seit 2012 stellt Feser seine Sammlung im Privatmuseum „Feser-Tradition“ in Schwabach aus. Ab und zu kommen die Oldtimer noch zum Einsatz – Udo Feser nimmt auch mit über 80 Jahren noch gerne an Rallyes teil.

Eine weitere Herzensangelegenheit von Feser-Graf ist das Zeigen gesellschaftlichen Engagements und die Einbindung des Unternehmens in die Region. Die Gruppe organisiert vielfältige Spenden- und Unterstützungsaktionen karitativer, kultureller und sportlicher Art. So tritt sie unter anderem als Sponsor des HC Erlangen in der Handball-Bundesliga auf.

Uwe Feser hat zudem im Jahr 2005 die Uwe-Feser-Kinderstiftung ins Leben gerufen, die sich für Not leidende Kinder schwerpunktmäßig in Mittelfranken einsetzt. Als Unternehmer hat Feser mit der Autohandelsgruppe vieles erreicht. Die Stiftung ist – wie er regelmäßig betont – ein Weg, der Gesellschaft und der Region etwas zurückzugeben.

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