Ford F-150: Ein dicker Brocken Hightech

Autor / Redakteur: Jan Rosenow / Jan Rosenow

Aluminiumkarosserie, Downsizingmotor und die weltweit erste Zehngang-Automatik: Der Ford F-150 Raptor, Inbegriff der automobilen Unvernunft, entpuppt sich als eines der modernsten Autos der Welt.

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Der Ford F-150 Raptor soll soll mächtig Staub aufwirbeln. Marktstart: Herbst 2016.
Der Ford F-150 Raptor soll soll mächtig Staub aufwirbeln. Marktstart: Herbst 2016.
(Foto: Ford)

Wer amerikanische Pick-ups aus technischer Sicht beschreiben soll, dem fallen meistens nur Begriffe wie „robust“ oder „bewährt“ ein, aber ganz bestimmt nicht „Hightech“ oder „Vorreiter“. Doch mit dem neuen F-150 hat Ford die Welt auf den Kopf gestellt und setzt Technik ein, die sonst nur europäische Premiumlieferanten zu bieten haben. Ganz besonders gilt dies für die Spitzenversion Raptor, die im Herbst 2016 auf den Markt kommen soll.

Das größte Aufsehen erregte bei der Markteinführung der neuen F-150-Generation im letzten Jahr die Karosserie aus Aluminium. Zwar gibt es so etwas bei Audi schon seit gut 20 Jahren, und der Ford besitzt zudem einen stählernen Rahmen als Unterbau. Aber die produzierte Stückzahl macht die Karosse des Amerikaners zu etwas Besonderem: Rund 850.000 Einheiten des Bestsellers will Ford pro Jahr produzieren und steigt damit aus dem Stand zum größten Abnehmer von Aluminiumblech in der Fahrzeugindustrie auf.

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Über 300 Kilogramm Masse spart der Materialwechsel im Vergleich zum Vorgänger ein. Für die typischen US-Truck-Kunden ist „leicht“ allerdings kein erstrebenswertes Merkmal. Deshalb hat Ford das geringere Eigengewicht dazu genutzt, die Nutz- und Anhängelast deutlich anzuheben. Das ist schon eher ein Verkaufsargument – ebenso wie der Hinweis auf die „besonders widerstandsfähige Aluminium-Legierung, die sogar die hohen Anforderungen des US-Militärs erfüllt“.

Je weniger Zylinder der Motor hat, ...

Bei den Motoren müssen Traditionalisten ebenfalls schlucken: Turbogeladene Direkteinspritzer namens Ecoboost ersetzen die bisher zwingend nötigen V8-Sauger fast komplett; zu einer Dieseloption konnte sich Ford gleichwohl noch nicht durchringen. Der Hubraum des kleinsten Motors beträgt gerade einmal 2,7 Liter. Mit 240 kW/325 PS und 510 Newtonmetern stellt er aber genug Leistung bereit, um den Mehrtonner angemessen zu bewegen. Neben diesem V6 gibt es noch einen 3,5-Liter-Sechszylinder mit oder ohne Turbo sowie einen freisaugenden V8 mit 5,0 Litern.

Der 3,5-Liter-Ecoboost stellt auch die Basis für das kommende Spitzenmodell Raptor dar. Genaue Leistungswerte rückt Ford noch nicht heraus. Aber es soll mehr sein als beim bisher verwendeten V8 (302 kW/411 PS und 434 Newtonmeter). Noch viel interessanter als der Motor ist allerdings das Automatikgetriebe des Raptor: Es handelt sich um das weltweit erste Wandler-Automatikgetriebe mit zehn Gängen.

... desto mehr Gänge bekommt das Getriebe

Genaue Informationen dazu hat Ford noch nicht veröffentlicht. In einem sehr tiefschürfenden Beitrag auf dem amerikanischen Autoportal „The Truth about Cars“ hat der Fachjournalist Timur Apakidze die bisher zur Verfügung stehenden Informationen analysiert.

Seine Schlussfolgerungen in Kürze: Der Radstand soll aus vier einfachen Planetensätzen bestehen, ähnlich wie beim ZF-Achtganggetriebe 8 HP. Sechs Schaltelemente sind nötig, um die zehn Gänge plus Rückwärtsgang zu schalten. Davon sind in jedem Gang vier geschlossen und zwei offen. Für jeden Gangwechsel muss nur ein Element geschlossen und eines geöffnet werden. Das bürgt für kurze Schaltzeiten und hohen Komfort.

Der siebte Gang ist ein Direktgang, die weiteren sind Overdrives. Der Autor rechnet mit einer Übersetzung der ersten Stufe von etwa 4,7 und der zehnten von 0,64, was einer Spreizung von nur 7,34 entsprechen würde – relativ wenig für zehn Gänge. (Zum Vergleich: ZF 8 HP 7,8, Daimler 9G-Tronic 9,16). Allerdings sorgen die zehn Gänge für sehr geringe Gangsprünge, und außerdem ist ein extremer Overdrive bei den in den USA gefahrenen Geschwindigkeiten unnötig. Als größten Vorteil der Ford-Zehngangbox bewertet der Autor den hohen Wirkungsgrad.

Auch wenn das alles nur Spekulationen sind, so dürfte sich Ford mit dieser Konstruktion an die Spitze der technischen Entwicklung in der Getriebewelt setzen. Besonders interessant dürfte der Vergleich zum neuen Zehngang-DKG von Volkswagen werden.

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