40 Jahre Audi 80/Audi 90 Gegen den Strom

Von sp-x 5 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Kanten waren cool, damals vor 40 Jahren als BMW 3er (E30), Mercedes 190 oder Maserati Biturbo die Herzen der Yuppies höherschlagen ließen. Aber dann kamen die rundgeschliffenen Aerodynamiker Audi 80 und 90 (B3), zwei Ringträger mit starken Fünfzylindern, TDI und Allradantrieb.

Premium neu gedacht: Mit den stromlinienförmigen Modellen Audi 80 und 90 (Typ B3) attackierte Ingolstadt vor 40 Jahren erstmals erfolgreich BMW (3er) und Mercedes (190). (Bild:  Audi AG)
Premium neu gedacht: Mit den stromlinienförmigen Modellen Audi 80 und 90 (Typ B3) attackierte Ingolstadt vor 40 Jahren erstmals erfolgreich BMW (3er) und Mercedes (190).
(Bild: Audi AG)

Diese Formen gefielen sogar dem italienischen Stardesigner Giorgio Giugiaro: Der rundliche und windschnittige Audi 80 (B3) brach 1986 mit den damals angesagten kantigen Konturen der Premium-Platzhirsche Mercedes 190 und BMW 3er (E30) und der Keilform des neuen Italo-Stars Alfa Romeo 75. Giugiaro zollte dem Entwurf des Audi-Designchefs Helmut Warkuß – das Nachwuchstalent J Mays hatte assistiert – großen Beifall, und dies, obwohl sein eigener Entwurf für die Ingolstädter Mittelklasse durchgefallen war.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 13 Bildern

Tatsächlich ließen der Audi 80 (B3) und die 1987 nachgelegte Fünfzylinder-Version Audi 90 (B3) ihre Konkurrenten plötzlich alt aussehen, nicht nur mit dem sensationell guten Luftwiderstandsbeiwert von cW 0,29. Auch in den Kategorien Antriebstechnik und Produktqualität legten die Ringträger die Messlatten höher. Ferdinand Piëch, Audi-Vize-Chef, hatte persönlich Wert daraufgelegt, dass die dritte Generation des Audi 80 immun war gegen die damals sogar bei neuen Mercedes-Modellen verbreiteten „Kinderkrankheiten“.

Sogar Alfa-Fan Josef Matula wechselte

Entsprechend hart waren die Audi 80/90 unter den extremen Klimabedingungen von Polarwinter und Wüsten getestet worden; überdies ließ eine vollverzinkte Karosserie dem Rostteufel kaum Angriffsfläche. „Vorsprung durch Technik“, wie ihn die Werbung versprach, sollte der optionale „quattro“-Allradantrieb bieten, dazu kamen sparsame TDI-Turbodiesel sowie der dem Audi 90 vorbehaltene leistungsstarke Fünfzylinder-Benziner. Diesen Mut zur Revolution belohnte der Markt: Der Audi 80/90 zählte zu den neuen Lieblingen der Jungdynamiker – sogar der TV-Detektiv und Alfa-Fan Josef Matula wechselte 1987 in der Kult-Krimiserie „Ein Fall für Zwei“ auf den Audi 80.

1986, was für ein Jahr zwischen Neuanfang und Katastrophen: Der Space-Shuttle-Orbiter Challenger sollte die Erkundung des Weltraums vorantreiben, bis ein Start in einem Desaster endete, bei dem die Challenger-Besatzung ums Leben kam. Die Schonung fossiler Ressourcen trieb weltweit den Ausbau von Kernkraftwerken voran, bis zum Super-GAU im ukrainischen Tschernobyl. Im politischen Denken prägte eine neue Offenheit das Jahr 1986: Der Kreml-Chef Michail Gorbatschow veränderte mit seinem Glasnost-Kurs die Sowjetunion und die Ostblockländer, bis die trennenden Mauern zwischen Ost und West einstürzten.

Führten Quattro-Antrieb erfolgreich fort

Auch im Sport markierte das Jahr 1986 einen Wendepunkt. Nachwuchstalent Boris Becker erklärte Wimbledon mit einem zweiten Tennis-Finalsieg zu seinem Wohnzimmer, während die 17-jährige Steffi Graf die etablierte Welt-Tenniselite deklassierte. Audi setzte 1986 nach vier WM-Titeln mit dem legendären Sportwagen quattro im Rallyesport einen Schlusspunkt unter sein Engagement in der von tragischen Unfällen überschattete Gruppe B in der WRC, aber nur, um sich neuen sportlichen Herausforderungen zu stellen.

Mit dem quattro-Allradantrieb und kraftvollen Fünfzylindern in Sportcoupés und den Topmodellen 100 und 200 hatte Audi Anfang der 80er erstmals seinen Anspruch auf einen Platz im Premium-Club angemeldet. Nun ging es darum, mit den erneuerten Modellen Audi 80/90 (B3) in der Mittelklasse an die Spitze zu fahren und das auch mit neuen Coupés und Cabrios auf Basis dieser Baureihe: Bei der Birmingham Motorshow 1988 debütierte das schicke Audi Coupé und ein Jahr später feierte ein familientaugliches Audi Cabriolet seine Weltpremiere auf der IAA.

Alles da: Vier-, Fünf- und Sechszylinder

Zunächst zeigte sich der bügelfreie Luftikus nur als Showcar, aber nicht wenige Messebesucher wollten diesen Herausforderer von BMW 3er Cabrio (E30), Chrysler Le Baron und Saab 900 sofort ordern. Zwar dauerte es noch zwei Jahre, bis der offene Audi in Serie ging, dafür blieb er bis ins neue Millennium in Produktion. Wer von Chrysler oder BMW auf den Sonnenflitzer mit Audi-Signet umstieg, staunte, in welch hochwertiger Verarbeitungsqualität der Ingolstädter gefertigt war, der zudem fast keine Verwindungserscheinungen des Aufbaus erkennen ließ. Über 71.000 Cabriofans bestellten den rundlichen Audi, der im Lauf seiner langen Produktionszeit mit Vier-, Fünf- und Sechszylinder-Benzinern ausgeliefert wurde, aber auch 1995 als eines der ersten Open-Air-Modelle überhaupt mit einem effizienten, jedoch vernehmlich arbeitendem TDI-Turbodiesel aufwartete.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Für das Audi Coupé hatte Chefstratege Ferdinand Piëch keinen Diesel vorgesehen, dafür Endorphin-Beschleuniger, die andere Coupés wie Toyota Celica, Opel Calibra oder VW Corrado vermissen ließen. So fuhr das Audi Coupé zunächst nur mit Fünfzylindermotoren an den Start, erst später folgten Vier- und Sechszylinder. Der Knaller blieben aber die Triebwerke mit fünf Töpfen: Wie ein technisches Kunstwerk gefeiert wurde 1990 der Fünfzylinder mit 20-Ventil-Technik und 220 PS Leistung im Audi S2, dieses Coupé war flotter als ein BMW M3 und noch giftiger als der Ur-quattro. Insgesamt konnte Audi knapp 70.000 Coupés bis Mitte der 90er Jahre verkaufen – um danach vorläufig das Feld der sportlichen Zweitürer an BMW 3er und Mercedes CLK zu übergeben.

Vom Start weg auf Platz 3 der Zulassungsstatistik

Und die Limousine? Kritik entzündete sich nur an dem kleinen, zerklüfteten Kofferraum, ansonsten löste der Audi 80 Begeisterungsstürme aus, die den 4,39 Meter kurzen Viertürer schon im ersten Halbjahr 1987 auf Platz drei der deutschen Neuzulassungscharts katapultierten. Nur VW Golf und Opel Astra waren noch beliebter, die alternden BMW 3er (E30) und Mercedes 190 mussten sich dem Newcomer aus Ingolstadt geschlagen geben.

Insgesamt wurden in fünf Jahren 1,3 Millionen Einheiten vom dritten Audi 80 (B3) abgesetzt, ein Ergebnis, das Ferdinand Piëch sehr zufriedenstellte und bei der Konkurrenz Sorgenfalten bewirkte. War die Ingolstädter Limousine doch bei den Fachmedien in Vergleichstests auf Sieg abonniert – und mit der neuen Sicherheitstechnik Procon-ten, die bei einem Unfall das Lenkrad aus dem Aufschlagbereich des Kopfes zog und die Sicherheitsgurte straffte, zeigte Audi auf einem Feld Vorsprung, das bis dahin Volvo und Mercedes für sich beanspruchten.

Lorbeeren im Motorsport

Nur gut 141.000 Einheiten verkaufte die Marke im Zeichen der vier Ringe von ihrem teuer eingepreisten und 1987 nachgelegten Topmodell Audi 90. Dank der kernig klingenden und mit quattro kombinierbaren Fünfzylinder war der Audi 90 sogar schneller als vergleichbare Sechszylinder aus München und Stuttgart – das war ebenso gut fürs Image wie die luxuriösen Ausstattungsoptionen (dabei weiße Lederbezüge) oder die formidable Geräuschkapselung der Kabine. Fast so laut wie ein Jet donnerte dagegen 1989 der über 515 kW/700 PS starke Rennwagen Audi 90 IMSA GTO zum Vizechampionat in der amerikanischen IMSA-Rennserie – ein Erfolg, der den Audi als Modellauto und Kulttyp in Konsolenspielen in die Jugendzimmer holte.

Trotzdem verzichtete Audi beim 1991 lancierten nächsten Audi 80 (B4) zugunsten der Übersichtlichkeit auf die Nummer 90; die Fünfzylinder-Motoren gab es fortan auch beim Audi 80. Dazu ergänzte eine Kombiversion das Programm, mit dem der Audi 80 (B4) den BMW 3er Touring oder Volvo 850 konterte. Im Kräftespiel der Premiumhersteller war Audi nun endgültig ein allseits respektierter Player.

Classic Business Day | 18. November 2026

Autos von gestern, Geschäft für morgen: Die Fachtagung für Young- & Oldtimer

Das Expertenmeeting zum Handel mit historischen Fahrzeugen bietet Profis wie auch Einsteigern umfassende Experteneinblicke. Im Fokus stehen diesmal drei große Themen, zu denen es Vorträge sowie eine Diskussionsrunde geben wird: Additive Fertigung (3D-Druck), Smart Repair sowie Reifen & Räder. Veranstaltungsort ist 2026 das Autohaus Hagenlocher in Böblingen.

Abonnenten unserer Automotive-Medienmarken erhalten einen Nachlass von 25 % bei der Anmeldung.

(ID:50987046)