Gesellenbrief eröffnet Zukunftsperspektiven

Autor / Redakteur: Holger Zietz / Christoph Baeuchle

Geschafft: Gesellenbrief in der Hand! Ein wichtiger Schritt für die Zukunft. Viele Kfz-Innungen veranstalteten für ihre Junggesellinnen und Junggesellen ausgefallene Freisprechungen.

Grund zum Feiern: Wie bei der Kfz-Innung Südthüringen wurden in den vergangenen Wochen zahlreiche Junggesellinen und -gesellen freigesprochen.
Grund zum Feiern: Wie bei der Kfz-Innung Südthüringen wurden in den vergangenen Wochen zahlreiche Junggesellinen und -gesellen freigesprochen.
(Foto: Zietz)

Einen entscheidenden Schritt auf ihrer beruflichen Karriereleiter haben in den vergangenen Wochen zahlreiche junge Männer und Frauen geschafft. Mit einer bestanden Prüfung beendeten sie ihre Lehre und wurden im Rahmen einer großen Freisprechungsfeier geehrt. In zahlreichen Kfz-Innungen fanden große Feiern stand, einige stellt »kfz-betrieb« vor.

Gemeinsam mit rund 600 Gästen wurden in Hamburg 155 Gesellinnen und Gesellen im Großen Saal der Handwerkskammer freigesprochen. Obermeister Holger Laß verdeutlichte in seiner Ansprache die dynamische Entwicklung im Kfz-Gewerbe; zugleich hob er jedoch auch die Tradition des Handwerks hervor. Das beste Beispiel: die Freisprechung am Ende der Ausbildungszeit.

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327 Kfz-Mechatroniker-Lehrlinge, darunter zehn junge Frauen, sprach die Kfz-Innung Unterfranken im Rahmen einer Feier in den Veitshöchheimer Mainfrankensälen frei. In seiner Begrüßungsrede hob Obermeister Roland Hoier die besondere Bedeutung des Tages hervor. Der erfolgreiche Lehrabschluss sei eine große Stufe auf der Lebensleiter.

Hoier vergaß aber auch mahnende Worte nicht. In der Automobiltechnik verdopple sich alle fünf Jahre das Wissen, „und deshalb sind wir alle zu lebenslangem Lernen verdammt.“ Der Obermeister ist jedoch sehr optimistisch für die Zukunft, denn die deutsche Automobilindustrie sei gegenwärtig weltweit in Sachen Innovation führend.

Klasse Perspektive statt Akademisierungswahn

Freigesprochen wurden auch die ersten Teilnehmer des „Abi + Auto“-Lehrganges. Mit diesem Programm, so Hoier, wirke die Innung dem Akademisierungswahn entgegen und erleichtere Abiturienten und Studienabbrechern den Weg in das Kfz-Gewerbe. Die Lehrgangsteilnehmer lernen den gleichen Stoff in einer verkürzten Ausbildungszeit.

Im benachbarten Mittelfranken wurden rund 340 Gesellinnen und Gesellen im Kfz-Mechatroniker-Handwerk freigesprochen. 16 Junggesellen erhielten aufgrund ihrer besonderen Leistungen eine Urkunde. Karl-Heinz Breitschwert, Obermeister der Kfz-Innung Mittelfranken, lobte die jungen Männer und Frauen für ihren Einsatz und die bestandenen Prüfungen.

Die Kfz-Innung Region Stuttgart sprach erstmals ihre Nachwuchskräfte im Rahmen der Retro Classic frei. Obermeister Torsten Treiber verteilte Gesellenbriefe an 251 junge Kfz-Mechatronikerinnen und Mechatroniker. „Die Retro Classic steht für die Leidenschaft, die Autos entfachen – sie steht aber auch für die technische Entwicklung, die Autos innerhalb weniger Jahrzehnte erfahren“, sagt Treiber: „Die jungen Menschen, die an diesen Oldtimern gelernt haben, sind heute unsere alten Hasen, die den Erfolg unseres Gewerbes ausgebaut haben.“

Am Mittelrhein in Koblenz haben 98 junge Männer und Frauen aus der Kfz-Branche richtig Gas gegeben. Ihnen steht die Zukunft offen und zugleich warten Herausforderungen. „In den nächsten fünf Jahren wird es mehr technische Innovationen geben als in den fünfzig Jahren zuvor“, machte Hans-Werner Norren, Obermeister der mittelrheinischen Kfz-Innung, Lust auf „die Reise ins Arbeitsleben“. Damit niemand im Leerlauf hängenbleibt, motivierte er die jungen Leute, sich stets Ziele zu setzen. „Lustloses Herumwerkeln am Auto nach Schema F“ sei weder im Sinne der Kunden oder des Unternehmens, noch führe es zu Lebenszufriedenheit. Einsatz sei hier die Zauberformel.

Mark Scherhag, Vizepräsident der Handwerkskammer Koblenz, machte Mut, weiter den Weg der Integration zu gehen: „Fürs Handwerk zählt nicht, woher man kommt, sondern wohin man will.“ Oft werde „zu leichtfertig mit menschlichen Schicksalen umgegangen“ und, anstatt zu teilen, als Selbstverständlichkeit hingenommen, „wie gut es uns geht.“ Erfreut zeigte sich die Kfz-Innung über die geringe Durchfallquote von 6 Prozent.

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