Suchen

Jeepneys in Manila: Vom Willys zum Kleinbus

| Autor / Redakteur: Jens Meiners/ampnet / Andreas Grimm

Wer kein Fahrzeug besitzt, braucht Mitfahrgelegenheiten. Die sind im Ausland oft abenteuerlich, etwa in der philippinischen Hauptstadt Manila. Dort sorgen lärmende, umgebaute und aufgemotzte alte Jeep-Modelle für einen Nahverkehr ganz eigener Art.

Firma zum Thema

Jeepneys nennen die Philippinos die aufgemotzten und umgebauten alten Jeep-Modelle, die in ihrem Land für günstige Massenmobilität sorgen.
Jeepneys nennen die Philippinos die aufgemotzten und umgebauten alten Jeep-Modelle, die in ihrem Land für günstige Massenmobilität sorgen.
(Foto: Gregg Manalo)

Willkommen in Manila: Anstelle des herkömmlichen öffentlichen Nahverkehrs regieren in den Straßen die Jeepneys. Die Gefährte sind der blanke Anachronismus – basierend auf zurückgelassenen Fahrgestellen amerikanischer Willys-Jeeps haben die Filipinos eine Art Kleinbus entwickelt. Die Karosserien sind aus Edelstahl, Planen ersetzen die Seitenfenster und längs eingebauten Sitzbänke bieten Platz für – je nach Baumuster – mehr als 25 Personen. Die technische Basis ist noch gut sichtbar, wenngleich so mancher Jeepney-Besitzer sein Gefährt mit einem stolzen Mercedes-Stern verziert.

Die stets bunt verzierten, häufig mit frommen Symbolen versehenen Jeepneys fahren nicht nur in der Tropenmetropole, sondern im ganzen Land ihre vorgegebenen Routen ab, und rein theoretisch gibt es auch Haltestellen, nach denen sich die Fahrer richten müssen. In der Realität halten sie überall an, wo ein Fahrgast aufgelesen werden kann, und sie setzen ihn auch nach Wunsch punktgenau ab. Ist der Fahrer, der oft auch der Besitzer ist, der Auffassung, die Kapazität sei noch nicht ausgeschöpft, wird das Tempo gerne auf ein Minimum reduziert. Es wird sich schon noch jemand finden, der aufspringt.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 14 Bildern

Denn auf die Masse der Fahrgäste kommt es an. Eine Mitfahrt ist ausgesprochen günstig, beginnend bei umgerechnet knapp 13 Cent; für jeden Zusatzkilometer werden gerade mal zwei Cent extra fällig. Eine Fahrt mit dem Jeepney ist somit viel erschwinglicher als Taxi, Schnellbahn oder auch das „Tricycle“, eines jener kleinen Motorräder, deren Beiwagen Platz für ein oder zwei Passagiere bietet. Und weil die Jeepneys so billig und unkompliziert sind, tun sich wohlmeinende Politiker ausgesprochen schwer damit, ihnen den Garaus zu machen, zumal man ihnen durchaus den Status einer kulturellen Ikone zusprechen kann.

So sieht es auch Ed S. Sarao, in dessen Werk in Las Pinas City, im Süden von Manila, pro Jahr rund 40 der Traditionsmobile nach alter Väter Sitte zusammengeschraubt werden. „Es waren auch schon einmal 200 bis 300“, erinnert sich der Firmenchef – und zwar in der Marcos-Ära der siebziger und achtziger Jahre, für sein Geschäft „eine goldene Zeit“. Nötig hat es der 56-jährige nicht mehr: Die Familie hat in Immobilien investiert, die Produktion von Jeepneys ist „eine Art Hobby“. Nebenbei restauriert Sarao amerikanische und japanische Klassiker für Kunden und die eigene Sammlung; besonders stolz ist er auf einen '62er Pontiac, den sein Vater von einem Bekannten fast neu übernommen hatte.

60 bis 90 Arbeitstage dauert die Produktion

Jeepneys werden überall auf den Philippinen zusammengeschraubt. Was die Sarao-Werke auszeichnet, ist ihr guter Ruf und ihre lange Tradition. Deshalb kann es sich die Manufaktur auch erlauben, höhere Preise als die Konkurrenz aufzurufen: Für einen Jeepney-Bus in Langversion werden hier rund 650.000 philippinische Peso fällig, umgerechnet knapp über 12.000 Euro. 60 bis 90 Arbeitstage dauert es ab Auftragseingang, bis ein Jeepney abgeholt werden kann; die Modelle entstehen von Grund auf am gleichen Standort, mit schwerem Kastenrahmen, Blattfedern vorn und hinten und einem Aufbau aus Edelstahl, der auf Wunsch mit hochglänzenden Elementen verziert werden kann.

(ID:44076423)