Reifentest Pirelli beherrscht den Spagat am besten

Von Dipl.-Ing. (FH) Jan Rosenow 3 min Lesedauer

Die GTÜ hat zusammen mit Partnern zehn Ganzjahresreifen für die Mittelklasse getestet. Insgesamt ist das Niveau hoch, doch nicht alle überzeugen auf Schnee und bei Hitze gleichermaßen.

Auf Schnee erreichen die besten Ganzjahresreifen das Leistungsniveau eines echten Winterreifens. Das kann jedoch zu Einbußen beim Nassgrip führen.(Bild:  GTÜ)
Auf Schnee erreichen die besten Ganzjahresreifen das Leistungsniveau eines echten Winterreifens. Das kann jedoch zu Einbußen beim Nassgrip führen.
(Bild: GTÜ)

Minus 20 bis über plus 30 Grad Celsius – das ist schon ein ziemlich großes Arbeitsfenster für ein Polymer. Schließlich soll es unter allen Bedingungen elastisch bleiben, muss gute Haftung gewährleisten, und darf sich trotzdem nicht zu schnell abnutzen. Angesichts dieser Zielkonflikte dürfte die Entwicklung von Ganzjahresreifen die Königsdisziplin in der Reifentechnik darstellen.

Mittlerweile beherrschen das die Hersteller aber so gut, dass sie auf Schnee durchaus mit den reinen Saisonspezialisten mithalten können. Das hat sich auch beim aktuellen Reifentest gezeigt, den die Sachverständigenorganisation GTÜ zusammen mit der „Auto Zeitung“, dem Automobil-Club Verkehr (ACV) sowie dem Auto-, Motor- und Radfahrerbund Österreichs (ARBÖ) durchgeführt hat. Zehn Pneus von Bridgestone, Continental, Falken, Giti, Goodyear, Hankook, Linglong, Michelin, Nokian und Pirelli in der Dimension 225/45 R 17 wurden untersucht.

Auf dem Gripniveau eines echten Winterreifens

Die Wintertests fanden im Februar bei frostigen Temperaturen auf verschneiten Strecken in Nordschweden statt. Im Mai folgten die Nass- und Trockentests unter sommerlichen Bedingungen in Spanien. Das Ergebnis zeigt deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Produkten. Den Gesamtsieg erzielte Pirelli vor Continental.

Die beiden Produkte beherrschten den Spagat am besten und konnten sowohl bei Kälte und Nässe als auch auf trockenem Asphalt überzeugen. Die übrigen Kandidaten zeigten sich meist in einer Disziplin stark, verloren jedoch Punkte auf den übrigen Gebieten.

Kommen wir zuerst zur Winterperformance. Besonders stark schnitt hier der Michelin ab. Die aktuelle Generation des Cross Climate erreicht eine Schneegriffigkeit, die auch im Vergleich mit Winterreifen hoch ausfällt. Continental, Giti und Hankook erzielten auf Schnee ebenfalls sehr gute Ergebnisse. Hier zeigt sich, dass Ganzjahresreifen mit dem Alpine-Symbol (3PMSF) eine gute Lösung auch für Schnee sein können.

Bridgestone, Goodyear und Pirelli hingegen erreichten hier nicht ganz das Gripniveau eines reinen Winterreifens. Ihre kälteelastischen Mischungen und lamellierten Laufflächen ermöglichen jedoch immer noch eine sichere Fahrt auf verschneiten Strecken. Schwächer schnitten Linglong und, etwas überraschend, Nokian ab. Falken lag in den Schneetests deutlich zurück. Als einziger Teilnehmer setzt der Reifen auf ein asymmetrisches Profildesign statt auf die inzwischen verbreitete laufrichtungsgebundene Konstruktion. Inzwischen ist ein Update erhältlich, das unter anderem mehr Schneegrip bieten soll.

Kürzeste Bremswege auf nassem und auf trockenem Asphalt

Im Sommer liegt die Herausforderung am anderen Ende der Temperaturskala. Ganzjahresreifen verlassen üblicherweise etwas früher ihr optimales Temperaturfenster als reine Sommerreifen. Um dieses Phänomen herauszuarbeiten, wurden die Nass- und Trockentests bewusst in der warmen Jahreszeit durchgeführt.

Das traf zum Beispiel Giti und Linglong besonders hart, die mit mäßigen Nässeeigenschaften ans hintere Ende der Ergebnistabelle rutschen. Auch Michelin und Falken brachten bei Regenwetter und Sonne nur mäßige Ergebnisse zuwege, doch während die überragenden Wintereigenschaften den Franzosen nach Punkten sogar noch auf Platz vier retteten, war der letzte Platz für den Falken unabwendbar.

Der Nokian trumpfte immerhin mit einer sehr guten Nasshaftung auf, fiel aber in den Trockendisziplinen ab, während der Bridgestone auf Nässe hadert, aber im Trockenen eine starke Vorstellung ablieferte. Etwas zu unausgewogen präsentiert sich auch der Goodyear, der bei Nässe überzeugen konnte, aber im Trockenen mit langen Bremswegen an Boden verlor. Der Hankook lieferte zwar eine ausgewogene Vorstellung bei sommerlichen Bedingungen, erreicht aber nicht sein Schnee-Leistungsniveau.

Auch der Continental legt den Fokus auf die Wintereignung, generierte aber dennoch bei steigenden Temperaturen gute Resultate und sicherte sich so Platz zwei. Den unangefochtenen Spitzenplatz verdiente sich indes der Pirelli, der im Schnee eine saubere Performance ablieferte und die Konkurrenz auch auf nassem und auf trockenem Asphalt knapp hinter sich ließ. Bei den Bremstests setzte er die Bestmarke und kam im Regen aus 100 km/h einen vollen Meter früher zum Stillstand als der Nächstbeste (Continental). Im Trockenen hielt er sogar 1,3 Meter vor dem Zweitbesten (Bridgestone).

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Der Vergleich zeigt zugleich die begrenzte Aussagekraft der Labelwerte. Pirelli und Giti zeigen bei der Nasshaftung jeweils die Einstufung „A“, liegen in den Fahrversuchen jedoch deutlich auseinander.

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