Die deutsche Automobilindustrie ist keine Jobmaschine mehr, gut 42.000 Stellen sind binnen eines Jahres verschwunden. Der Abbau schreitet schneller voran als in jeder anderen Branche. Die Entwicklung sei jedoch nicht allein der Elektromobilität zuzuschreiben, warnt Branchen-Experte Stefan Bratzel.
In der Automobilbranche werden vermehrt Stellen abgebaut.
(Bild: Audi)
Die Probleme der deutschen Automobilindustrie schlagen sich immer deutlicher im Stellenabbau nieder. Zum Ende des ersten Halbjahres 2026 waren in der langjährigen deutschen Vorzeigebranche 691.500 Menschen beschäftigt. Laut einer Auswertung des Statistischen Bundesamts ist damit der niedrigste Stand seit dem Jahr 2005 erreicht. Im Jahr 2018 hatte die Automobilindustrie einen Höchststand von 834.000 Beschäftigten verzeichnet. Seither sind 17 Prozent der Stellen verloren gegangen.
Den Daten zufolge beschleunigte sich der Rückgang zuletzt auf 42.300 Beschäftigte oder 5,8 Prozent innerhalb eines Jahres. Gleichzeitig gehen in anderen Industriezweigen ebenfalls Arbeitsplätze verloren, allerdings in einem deutlich geringeren Ausmaß und Verhältnis. Im gesamten verarbeitenden Gewerbe ging die Zahl der Beschäftigten um 2,7 Prozent auf 5,29 Millionen zurück.
Innerhalb der Branche haben die Autokonzerne sowie die Zulieferer von Teilen und Zubehör Stellen abgebaut. Bei den Zulieferern von Karosserien, Aufbauten und Anhängern nahm hingegen zum Ende des 1. Halbjahres 2026 die Zahl der Beschäftigten sogar zu. Weitere Zulieferer außerhalb der Automobilindustrie, beispielsweise in der Herstellung und Runderneuerung von Bereifungen, flossen nicht in die Auswertung ein.
Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management aus Bergisch Gladbach, sieht in einem Beschäftigungsrückgang eine grundsätzlich erwartbare Entwicklung aufgrund der Transformation zur Elektromobilität. Jedoch gehe der Stellenabbau inzwischen „klar über das hinaus, was der reine Antriebswechsel erklären würde“. Daraus folgert Bratzel, dass erheblicher Teil des Rückgangs der sich verschlechternden Wettbewerbsposition des Standorts Deutschland zuzuschreiben sei. „Die Transformation an sich hätte diesen Aderlass so früh und in diesem Tempo nicht erfordert“, konkretisiert er.
Es gelte nun, an den Standortbedingungen anzusetzen, statt den Stellenabbau pauschal der E-Mobilität zuzuschreiben. Die Industrie sei gefordert, Abhängigkeiten in den Transformationsfeldern der Elektromobilität und Software / KI zu reduzieren und kritische oder differenzierende Teile beschäftigungsrelevanter Wertschöpfung nach Deutschland zu holen, rät Bratzel.
Jobaufbau in der Spezialisierung
Im Bereich der Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenmotoren waren mit insgesamt 429.200 Beschäftigten zum Ende des 1. Halbjahres 6,1 Prozent weniger Personen beschäftigt als ein Jahr zuvor. Im Zulieferbereich der Herstellung von Teilen und Zubehör für Kraftwagen betrug der Beschäftigtenrückgang 7,6 Prozent auf zuletzt 219.500. In der kleineren Zulieferbranche der Herstellung von Karosserien, Aufbauten und Anhängern stieg die Zahl der Beschäftigten um 10,0 Prozent auf 42.800.
Die Automobilbranche bleibt hinter dem Maschinenbau (905.900 Beschäftigte) der zweitgrößte Industriezweig Deutschlands. Der Beschäftigungsabbau in der Branche hat sich bereits seit Längerem abgezeichnet. Der Verband der Automobilindustrie warnte im Mai vor einem Verlust von bis zu 225.000 Arbeitsplätzen bis 2035. In den letzten Monaten hatten immer mehr Hersteller und Zulieferer Sparprogramme und Stellenstreichungen verkündet.
Nicht nur in der Automobilindustrie wurden Stellen abgebaut, auch in anderen großen Industriebranchen ging die Zahl der Beschäftigten zuletzt zurück. In der Herstellung von Metallerzeugnissen sank sie binnen eines Jahres um 3,8 Prozent auf 471.700 zum Ende des 1. Halbjahres 2026. In der Metallerzeugung und -bearbeitung ging die Beschäftigtenzahl im selben Zeitraum um 3,7 Prozent zurück auf 207.200. Höher als im Durchschnitt fiel der Beschäftigtenrückgang auch in der chemischen Industrie (-3,6 % auf 312.000) sowie in der Herstellung von elektrischer Ausrüstung (-3,4 % auf 374.500) aus.
Stand: 08.12.2025
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