Wolfsburg kann im schwierigen Umfeld weiter auf eine günstige Entwicklung bei den Verkaufspreisen setzen und so die Absatzflaute wettmachen. In Teilen wird das Management sogar optimistischer, wenngleich Finanzchef Arno Antlitz am Donnerstag den Gesamtausblick nur bestätigte.
Golf-8-Fertigung in Wolfsburg.
(Bild: Volkswagen AG)
Die operative Marge erwartet Arno Antlitz aber 2022 nun immerhin am oberen Ende der bisherigen Prognosespanne. Sowohl die vor einem möglichen Börsengang stehende Sportwagentochter Porsche als auch die lange renditeschwache Kernmarke VW Pkw konnten zuletzt mit guten Ergebnissen bei den Wolfsburgern aufwarten.
Die Aktie legte am Donnerstag deutlich zu – auch wenn die Zweifel rund um den Führungswechsel bei Europas größtem Autokonzern nach der angekündigten Demission von Noch-Chef Herbert Diess weiterbestehen.
Teure Rohstoffabsicherung
Der Umsatz stieg im zweiten Quartal auch dank der Einbeziehung des zugekauften US-Truckherstellers Navistar um gut 3 Prozent auf 69,5 Milliarden Euro – trotz der um über ein Fünftel gesunkenen Fahrzeugauslieferungen des Konzerns.
Das um Sonderkosten für die Dieselaffäre bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern fiel zwar um 28 Prozent auf 4,74 Milliarden Euro. Dabei wogen allerdings Bewertungseffekte vor allem für die Rohstoffabsicherung schwer. Sie schlugen bei VW allein von April bis Juni mit 2,4 Milliarden Euro zu Buche, nachdem sie das operative Ergebnis im ersten Quartal noch deutlich aufgehübscht hatten. Ohne diese Belastung wäre das operative Ergebnis im Vergleich mit dem starken Vorquartal noch einmal gestiegen, hieß es vom Konzern.
„Solide Zahlen“
Analyst Philippe Houchois von der US-Investmentbank Jefferies sprach von soliden Zahlen. Porsche habe mit gut 20 Prozent Marge beeindruckt. George Galliers von Goldman Sachs verwies auf eine starke Entwicklung der Kernmarke VW Pkw, die in der Folge auch ihre Renditeziele für das Gesamtjahr anhob. Audi habe hingegen etwas enttäuscht, so Galliers.
Das operative Ergebnis im Quartal sei insgesamt höher ausgefallen als am Markt erwartet, schrieb Tom Narayan von der kanadischen Bank RBC. Treiber seien die für den Massenmarkt gebauten Marken VW, Skoda und Seat gewesen sowie die Nutzfahrzeuge und Porsche, so Narayan.
Finanzvorstand Arno Antlitz sagte, VW habe ungeachtet „beispielloser globaler Herausforderungen beachtliche finanzielle Robustheit bewiesen“. Für die zweite Jahreshälfte geht er von einer Entspannung der Lieferketten-Probleme aus. In China habe schon gegen Ende des zweiten Quartals eine „spürbare Erholung“ eingesetzt.
Finanzprognose bestätigt
Die Finanzprognose insgesamt bestätigte Antlitz, allerdings rechnet er bei der bereinigten operativen Marge nun mit dem oberen Ende der Spanne von 7 bis 8,5 Prozent. Der Konzern wird im Pkw-Bereich zuversichtlicher, bei den Nutzfahrzeugen hingegen dampfte das Management die Erwartungen an die Marge ein. Für die Finanzdienstleistungen hob Antlitz die Gewinnaussichten an.
„Allerdings lassen sich die konkreten Auswirkungen der Entwicklungen des Kriegs in der Ukraine oder der Covid-19-Pandemie (...) weiterhin noch nicht abschließend beurteilen“, schränkte Volkswagen in seinem Ausblick ein.
Zum Jahresbeginn hatten vor allem die besonders profitablen Oberklasse-Marken den Konzern durch die angeschlagene globale Autokonjunktur getragen. Das Betriebsergebnis von Audi verbesserte sich in der gesamten ersten Jahreshälfte von rund 3,3 auf 5,0 Milliarden Euro, bei Porsche von 2,7 auf 3,3 Milliarden Euro. Für die Kernmarke VW Pkw blieben knapp 1,9 Milliarden Euro übrig, nach 1,2 Milliarden Euro vor einem Jahr.
Gewinnsprung im ersten Halbjahr
Im ersten Halbjahr hat der Konzern trotz der Lieferprobleme bei Mikrochips und Corona-Einschränkungen in China unter dem Strich einen Gewinnsprung hinlegen können. Das Ergebnis nach Steuern stieg um etwas mehr als ein Viertel auf 10,6 Milliarden Euro.
Das zweite Quartal, in dem erneute Lockdowns Produktion und Verkäufe auf dem wichtigsten Markt in Asien ausgebremst hatten, drückte für sich genommen unter dem Strich mit einem Gewinnrückgang um 22 Prozent aufs Geschäft. Der Absatz von Elektroautos zog aber an. Auch in Hannover, in Emden und im US-Werk Chattanooga wird nun die ID-Reihe gefertigt.
Stand: 08.12.2025
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Mobilitätsdienste ausbauen
Die Gewinne will der Konzern in den Umbau zu mehr E-Mobilität, eigener Software und Dienstleistungen stecken. Weitere elektrische Modelle sollen folgen, und nach dem Baustart der Batteriezellfabrik in Salzgitter Anfang Juli treibt VW die Planungen für die nächsten Zellwerke voran. Der Rückkauf von Europcar soll außerdem genutzt werden, um das Netz der Mobilitätsdienste von Shuttle-Services über Carsharing bis hin zu Abo- und Mietangeboten auszubauen.