Viel war zuletzt über ein mögliches Aus des VW Passat spekuliert worden. Auch in Deutschland ging es für den Business-Klassiker zuletzt stetig bergab. Nun bekommt der B8 ein Facelift. Das steht ihm gut – wischt aber nicht alle Zweifel an der Zukunft der Baureihe weg.
(Bild: Seyerlein/»kfz-betrieb«)
Der Passat hat zuletzt kräftig gelitten. War er in den letzten Jahren das Modell, das das VW-Werk in Emden praktisch im Alleingang auslastet, soll er bis 2022 voraussichtlich komplett aus seinem bisherigen Zuhause verschwinden und für Elektroautos Platz machen. Zukünftig wird der Passat dann wohl in Osteuropa gebaut – wenn überhaupt. Denn nicht wenige Branchenbeobachter werteten jene Pläne von Volkswagen zuletzt als klares Zeichen dafür, dass der Business-Klassiker der Wolfsburger komplett vor dem Aus stehen könnte.
Das wirkt vielleicht etwas voreilig, schließlich ist der Passat immer noch einer der Topseller der Wolfsburger. Demnächst wird der Hersteller die Marke von 30 Millionen verkauften Passat-Einheiten knacken. Doch einfach so wegdiskutieren lassen sich die Schwierigkeiten des Modells auch nicht. Beispiel Deutschland: Dort ist die aktuelle Passat-Generation B8 seit Mitte 2014 auf dem Markt. Im ersten vollen Verkaufsjahr 2015 erzielte das Auto hierzulande noch fast 100.000 Neuzulassungen. Vergangenes Jahr waren es schon nur noch 70.000. Etwas schwindende Absatzzahlen sind mit steigendem Alter der Fahrzeuggeneration normal, beim Passat erscheint der Rückgang aber doch recht heftig.
Höchste Zeit also, dass die Baureihe eine Auffrischung erhält. Und so soll ein Facelift dem Passat ab September neues Leben einhauchen. Beim Händler bestellbar wird der „B8.2“ bereits ab Mai 2019 sein. Überzeugen will VW seine Kunden weniger mit neuen optischen Reizen – abgesehen von kleineren Veränderungen etwa an den Scheinwerfern hat sich am Erscheinungsbild des Passat wenig verändert. Stattdessen soll eine ganze Palette an neuer Technik die Kohlen für das Auto aus dem Feuer holen.
Beispielsweise wird der überarbeitete Passat Volkswagens erstes Fahrzeug mit der aktuellsten Version des „Modularen Infotainment Baukastens“, dem MIB3, an Bord. Damit wird er vorerst zu so etwas wie dem digitalen Vorzeige-VW. Zumindest solange bis 2020 der ID Neo kommt. Letzterer soll dann Volkswagens erstes vollvernetztes Mobil werden. Einen Ausblick darauf liefert bald aber eben der Passat. So sind im Mittelklasse-Modell nun beispielsweise Over-the-air-Updates möglich, auch eine natürliche Spracherkennung hat der Passat im Angebot. Allerdings wird er noch auf einem anderen Backend aufsetzen als der ID Neo. Deswegen wird er beispielsweise deutlich weniger Functions on demand verfügbar haben.
Dennoch wird VW mit dem Passat seine neuen digitalen Angebote unter der Marke „Volkswagen We“ erstmals etwas größer ausrollen. Die Wolfsburger arbeiten aktuell daran, ein „Ökosystem“ aufzuziehen, um direkter mit Kunden in Kontakt treten zu können und die Käufer mit allem möglichen Schnickschnack versorgen zu können. Wer seine Daten preisgibt und so seine „Kunden-ID“ aktiviert, soll im Passat künftig beispielsweise bargeldlos Parkgebühren bezahlen können. Außerdem lässt sich das Auto etwa per Smartphone öffnen, schließen und sogar starten. Zudem können bis zu acht Personen im Passat ihre Lieblingskonfiguration für das Fahrzeug abspeichern und jederzeit wieder aufrufen. Anders als der ID Neo wird sich der Passat aber auch ohne Kunden-ID noch fahren und bedienen lassen.
Neben den digitalen Angeboten, deren Sinn oder Unsinn man an mancher Stelle durchaus hinterfragen kann, macht der VW Passat aber auch bei den zweifellos nützlichen Assistenzsystemen einen Sprung nach vorne. Auch dafür gibt es eine neue Marke bei VW namens „IQ Drive“. Beim Passat sticht der „Travel Assist“ heraus. Er bündelt beispielsweise Adaptive Cruise Control (ACC) und Lane Assist und macht es so möglich, dass das Auto bis zu einer Geschwindigkeit von 210 km/h selbstständig lenken und bremsen kann. Kein VW war beim teilautonomen Fahren (Level 2) bislang weiter. Laut VW soll das System selbst in Baustellen mit veränderter Linienführung – aktuell noch häufig eine Schwachstelle von Spurhalteassistenten und Co. – keine Schwierigkeiten mehr haben.
Stand: 08.12.2025
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