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Beissbarth: Die bayerischen Autopioniere

Redakteur: Steffen Dominsky

Mit dem Namen Biessbarth verknüpft man nicht nur einen der namhaftesten Werkstattausrüster in Deutschland. Die beiden Gründerväter zählen auch zu den Auto-Pionieren in Bayern und befestigten an ihrem Fahrzeug das erste Kfz-Kennzeichen der Welt.

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Goldene Zeiten: Beissbarth präsentierte eine der größten Automobilausstellungen Anfang des 19. Jahrhunderts in Deutschland. Fotos: Beissbarth
Goldene Zeiten: Beissbarth präsentierte eine der größten Automobilausstellungen Anfang des 19. Jahrhunderts in Deutschland. Fotos: Beissbarth
( Archiv: Vogel Business Media )

Es war einer jener Tage, der in die Geschichte eingehen sollte – in die automobile, um genau zu sein. Denn vor 110 Jahren, am 14. April 1899, ereigneten sich gleich drei Dinge: die Zulassung des ersten Automobils in Bayern, die Vergabe des nachweislich weltweit ersten Kfz-Kennzeichens und die Ausgabe der wahrscheinlich ersten „Führerscheine“ Deutschlands.

Das Bemerkenswerte daran: Zwei Personen stehen hinter allen drei Ereignissen – die Zwillingsbrüder Daniel und Hermann Beissbarth in München. Die Begeisterung für das neue pferdelose Transportmedium war bei den beiden auf fruchtbaren Boden gestoßen.

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Wenige Woche zuvor hatten sie die erste Automobilfabrik Bayerns ins Leben gerufen – die Motor- und Karosseriebaufirma „Gebrüder Beissbarth“. Und seit besagtem 14. April war es ihnen von der königlichen Polizeidirektion der Landeshauptstadt erlaubt, ihren Wartburg-Motorwagen auf öffentlichen Verkehrswegen „in stets widerruflicher Weise“ zu betreiben. Bayerisch-deutscher Gründlichkeit sei Dank erhielt der Wagen eine Kennzeichnung in Form einer „polizeilichen Nummer“ – der schwarzen „1“.

Ein Autohandel entsteht

Die Beissbarths nahmen an „automobilen Sportveranstaltungen“ teil und machten das Automobil im Süden des Reiches populär. Dank ihrer Passion stellte sich umgehend der wirtschaftliche Erfolg ein. 1910 wandelten sie eine ehemalige Reithalle in „Beissbarths Autohalle“ um und konnten so Interessenten rund 170 Automobile zum Kauf präsentieren. Zu ihren Kunden zählte das Who is Who aus Gesellschaft und Politik.

Doch der Aufbruch ins kraftfahrzeugtechnische Zeitalter fand Ende der zwanziger Jahre des 19. Jahrhunderts als Folge der Weltwirtschaftskrise ein jähes Ende. 1931 mussten die Brüder ihre Firma schließen. Osmond, der eine Sohn Daniel Beissbarths, übernahm das Erbe seines Vaters bzw. Onkels, eröffnete es neu und führte es weiter bis es im zweiten Weltkrieg sprichwörtlich in Schutt und Asche versank.

Aufbau nach dem Krieg

Nach dem Krieg richtete er zusammen mit einem Kompagnon das Familienunternehmen neu aus. Die Firma „Beissbarth & Müller“ entwickelte, produzierte und vertrieb fortan Werkzeuge und Maschinen für Kfz-Werkstätten, Servicebetriebe und Fahrzeughersteller. Radauswucht- und Montiermaschinen, Spureinstell- und Stoßdämpferprüfgeräte sowie andere wichtige technische Ausrüstungsgegenstände läuteten bei Beissbarth die neue Zeit ein.

Von da ab entwickelte sich das Unternehmen zu einem der bekanntesten Hersteller und Anbieter von Werkstattausrüstung. 1960 erweiterte ein Hebebühnenprogramm das Produktangebot; es folgten Bremsenprüfstände. 1972 schließlich verkaufte Osmond Beissbarth sein Unternehmen an die Rohé-Gruppe – Beissbarth und sein Angebot wuchsen und wuchsen.

Seit 2007 gehört Beissbarth zur Bosch-Gruppe und ist dank zahlreicher technischer Innovationen nach wie vor einer der wichtigsten Lieferanten für automobiles Werkstatt-Equipment.

Steffen Dominsky

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