Der bekannte Münchner Werkstattausrüster ist in akute finanzielle Schieflage geraten. Nun soll er in sogenannter Eigenverwaltung bis Ende des Jahres saniert werden.
Beissbarth wurde heute unter vorläufige Eigenverwaltung gestellt. Bis Ende des Jahres möchte ein Sanierungsgeneralbevollmächtigter das Unternehmen erfolgreich restrukturieren.
(Bild: Beissbarth)
Diese Nachricht schlug vor dem Wochenende ein wie der sprichwörtliche Blitz: „Beissbarth ist insolvent“. Nicht dass die Lage für den bekannten Werkstattausrüster in den letzten Jahren besonders rosig gewesen wäre. Aber mit dieser Botschaft dürften wohl nur die allerwenigsten gerechnet haben. Offenbar auch die eigenen Mitarbeiter nicht.
Auch sie sollen erst am Freitag von der bedrohlichen Situation erfahren haben. Zuvor hatte das Traditionsunternehmen am Morgen beim Amtsgericht München den Antrag auf Eröffnung eines sogenannten Eigenverwaltungsverfahrens gestellt. Das Gericht wiederum hat diesem zugestimmt, bzw. die vorläufige Eigenverwaltung angeordnet und den Fachanwalt für Insolvenz- und Sanierungsrecht Dr. Matthias Hofmann zum vorläufigen Sachwalter bestellt.
Gläubigerausschuss steht
Zugleich hat das Gericht einen vorläufigen Gläubigerausschuss eingesetzt, dessen Mitglieder sich bereits vorab für die vorläufige Eigenverwaltung und für die Bestellung des vorläufigen Sachwalters ausgesprochen hatten. Der Restrukturierungsexperte Jean-Olivier Boghossian begleitet als eingesetzter Sanierungsgeneralbevollmächtigter die Geschäftsführung im Verfahren und wird zusammen mit dem vorläufigen Sachwalter einen Sanierungsplan erarbeiten.
Ziel ist laut Boghossian, die Gesellschafterstruktur dauerhaft zu verändern. Dadurch sollen sich die Kapital- und Finanzsituation verbessern. Außerdem soll Beissbarth langfristig saniert werden.
Sollten die Gläubiger dem Restrukturierungsplan zustimmen, könnte das Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung noch im Jahr 2022 beendet werden, so die Hoffnungen des Generalbevollmächtigten und der 152 Mitarbeiter. Anwalt Hofmann jedenfalls beurteilt die Ausgangslage für eine Sanierung bei Beissbarth als sehr gut: Das Unternehmen verfüge über ein motiviertes Team, gewachsene Beziehungen zu Kunden und Lieferanten sowie ein im Grundsatz langfristig sicherer Markt. Diese Faktoren würden Beissbarth vom Strukturwandel in der Automotive-Branche unabhängig und somit für langfristig agierende Investoren interessant machen.
Gründe für die Situation Beissbarths
Verantwortlich für die aktuelle Schieflage sei nicht das Geschäftsmodell von Beissbarth, sondern die aktuellen Krisen weltweit und mehrere sich addierende Faktoren. So hat das Unternehmen nach den Umstrukturierungen im Zuge der Ausgliederung aus dem Bosch-Konzern 2018, mit den immer noch anhaltenden Auswirkungen der Corona-Pandemie und den Problemen des globalen Handels zu kämpfen.
Daneben soll auch der Ukraine-Krieg, Stichwort Stahl, eine Rolle spielen. Diese Rahmenbedingungen haben offenbar den Finanzinvestor Stargate Capital, der Beissbarth 2018 von Bosch übernommen hatte, dazu bewogen, sich von seinem Invest zu trennen.
Die nächsten Monate bis zur Eröffnung des Eigenverwaltungsverfahrens (voraussichtlich Ende September bzw. Anfang Oktober) sollen für die Vorbereitung des Sanierungsplans und die Neustrukturierung der Kapitalausstattung von Beissbarth genutzt werden. Die Löhne und Gehälter der insgesamt 152 Mitarbeiter sind bis Ende September durch Insolvenzgeld gesichert.
Ergänzendes zum Thema
Über Beissbarth
Wechselvolle Geschichte
Mehr als 120 Jahre ist Beissbarth mittlerweile alt. 1899 gründen die Brüder Daniel und Hermann Beissbarth die erste Automobilfabrik in Bayern: die Motorfahrzeug- und Karosseriebaufirma „Gebrüder Beissbarth“. Sie sind die Kfz-Pioniere im Freistaat, erhalten am 14. April 1899 das erste Autonummernschild der Welt, die „Nr. 1“, die heute im Deutschen Museum in München ausgestellt ist.
Nach dem Krieg beginnt das Unternehmen mit der Herstellung von Werkstattausrüstung. 1972 wird Beissbarth für 20 Jahre Teil der Rohé-Gruppe, einem Wiener Spezialisten für Tankstellenausrüstung. Bis 2007 wieder eigenständig, kommt Beissbarth zu Bosch.
Vor vier Jahren trennen sich die Wege der Stuttgarter bzw. Münchner. Seitdem gehört Beissbarth dem Münchner Investor Stargate Capital GmbH. Dieser gliedert Beissbarth in sein Unternehmensportfolio für Werkstattausrüstung ein, zu dem Firmen wie Sicam (Rad/Reifen), Werther (Hebetechnik) Tecalemit (Flüssigkeitsmanagement), APAC (Pneumatik) und API (Achsmessroboter) gehören.
Stand: 08.12.2025
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