»kfz-betrieb« Auto-Check Der Audi A5 ist das Schnellboot unter den Containerfrachtern

Autor Jan Rosenow

Das elegante Coupé betört als nahezu perfekter Reisesportwagen mit hohem Federungs- und Geräuschkomfort. Gemessen an den modischen SUV-Coupés überzeugt vor allem das leichtfüßige Fahrverhalten.

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Zwei Türen, flaches Dach und ganz viel Eleganz: So muss ein Coupé aussehen.
Zwei Türen, flaches Dach und ganz viel Eleganz: So muss ein Coupé aussehen.
(Bild: Rosenow/»kfz-betrieb«)

Die Bezeichnung Coupé wird heute auf alle möglichen Fahrzeugkonzepte gepappt – bis hin zum tonnenschweren SUV mit minimal flacherer Dachlinie. Echte Coupés, also sportlich geschnittene Zweitürer mit genügend Komfort für längere Reisen, gibt es hingegen immer weniger. Umso schöner ist es deshalb, dass beispielsweise Audi an seiner A5-Baureihe festhält und sie kontinuierlich weiterentwickelt.

Die Testfahrt mit dem A5 Coupé zeigte nämlich, welchen einzigartigen Fahrspaß dieses klassische Konzept vermittelt: Moderate Abmessungen und tiefer Schwerpunkt sorgen automatisch für leichtfüßiges Handling und sportliche Fahreigenschaften. Dagegen gleicht die Fahrt mit einem hoch motorisierten SUV auf kurvenreichen Landstraßen dem Versuch, ein vollbeladenes Containerschiff durch den Suezkanal zu steuern.

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Glücklicherweise hat Audi auch der Versuchung widerstanden, die sportliche Karosserie des A5 mit einem übermäßig straffen Fahrwerk zu würzen. Die elektronisch geregelten Dämpfer sorgen vielmehr für einen sämigen Fahrkomfort und bügeln die Straße förmlich glatt, ohne andererseits durch Seitenneigung oder Aufschaukeln in schnellen Kurven zu nerven. Als weiteres Feature besaß der Testwagen die Dynamiklenkung mit variabler Übersetzung, die vor allem auf kurvenreichen Strecken den Lenkaufwand deutlich verringerte.

Der Antriebsstrang des Ingolstädters besteht aus einem Vierzylinder-Ottomotor mit 195 kW/265 PS, der seine Kraft über ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe auf alle vier Räder verteilt. Das Anfahrverhalten zeigte sich im besten Sinne unauffällig – anders als bei vielen Dieselmodellen des Hauses, die sich in Kombination mit DKG nur mit starker Verzögerung in Bewegung setzen. Auch in Fahrt präsentierte sich das Getriebe ruckelfrei und treffsicher in der Gangwahl. Natürlich sucht es so schnell wie möglich die höchsten Stufen auf, um den Verbrauch zu senken. Für knackiges Durchbeschleunigen sind dann erst einmal zwei oder drei Schaltvorgänge nach unten nötig, bevor der Zweiliter die Wucht seiner 370 Newtonmeter entfalten kann.

Niedriger Verbrauch dank langer Übersetzung

Andererseits senkt die lange Übersetzung – selbst bei Tempo 200 rotiert die Kurbelwelle nur 3.000 Mal pro Minute – den Kraftstoffverbrauch höchst wirkungsvoll. Audi gibt einen Durchschnittsverbrauch nach WLTP von 8,3 bis 7,8 Litern auf 100 Kilometern an – und dieser lässt sich auch bei zügiger Autobahnfahrt problemlos unterschreiten. Wir kamen im Testbetrieb auf einen Durchschnitt von 7,2 Litern. Angesichts der Fahrleistungen und der Tatsache, dass der Testwagen mit Allradantrieb ausgestattet war, ist das ein Topwert. Hinzu kommt die vorbildliche Laufkultur des längs eingebauten Vierzylinders: Bei normaler Fahrweise arbeitet er fast lautlos und lässt nur bei höherer Last ein wahrscheinlich künstlich intoniertes, aber wohlklingendes Röhren hören.

Gibt es denn überhaupt nichts zu kritisieren? Nun, in den klassischen Kriterien des Fahrzeugbaus kommt der Audi der Perfektion ziemlich nahe. Bei der funktionalen Qualität und der Bedienung der umfangreichen Elektronikausstattung hingegen waren die üblichen Schwächen zu verzeichnen, die fast alle modernen Autos aufweisen. So erfordert die Bedienung des Touchscreens genaues Hinsehen, was den Blick (zu lange) von der Straße ablenkt. Immerhin lässt sich in diesem Audi die Klimaanlage noch auf einem eigenen Tastenfeld ansteuern.

Assistent richtet sich nach falschem Tempolimit

Auch die Fahrerassistenzsysteme sind von der Perfektion, die für automatisiertes Fahren eigentlich nötig wäre, noch ein gutes Stück entfernt. Der Verkehrszeichenassistent detektiert die Tempolimits zwar sehr zuverlässig, kann aber nicht erkennen, wenn beispielsweise ein Schild nur für die Ausfahrtspur der Autobahn gilt. Und so wird der Wagen zur Freude der nachfolgenden Lkw-Fahrer plötzlich auf 60 km/h eingebremst. Auch eine unerwartete automatische Beschleunigung über das im Tempomat eingestellte Limit hinaus mussten wir während der Testfahrt verzeichnen.

Aber wie gesagt: Solche Dinge passieren bei fast allen Autos. Der Mensch als Regelsystem ist – trotz all seiner Schwächen – der sogenannten künstlichen Intelligenz noch weit voraus.

Natürlich lässt sich der Hersteller die oben angesprochene Perfektion seines Erzeugnisses auch entsprechend bezahlen. Selbst bei einem Grundpreis von 53.550 Euro waren noch Extras im Wert von über 20.000 Euro nötig, um dem Wagen das im Test erlebte technische und optische Niveau zu verleihen. Glücklich kann sich schätzen, wer sich das leisten kann – dann lange wird es solche Autos wohl nicht mehr geben.

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