Neuzulassungen Der europäische Markt lebt nur durch Elektro-Impulse

Von Andreas Grimm 3 min Lesedauer

Die Zahl der Neuzulassungen hat in Europa im Mai weiter zugelegt. Doch wie sich bereits in Deutschland zeigte: Die Erholung hängt am Tropf staatlicher Impulse für die Elektromobilität.

Der europäische Neuwagenmarkt wächst leicht – vor allem befeuert durch Subventionen für E-Fahrzeuge.(Bild:  Schreiner – VCG)
Der europäische Neuwagenmarkt wächst leicht – vor allem befeuert durch Subventionen für E-Fahrzeuge.
(Bild: Schreiner – VCG)

Der europäische Neuwagenmarkt hat im Mai erneut zugelegt. Wie aus den Zahlen des Herstellerverbands Acea hervorgeht, kamen im fünften Monat des Jahres in den Ländern der EU, der Efta und in Großbritannien 1,152 Millionen Pkw neu auf die Straßen. Das waren 3,6 Prozent mehr als im Mai des Vorjahres.

Damit hat die Dynamik allerdings etwas an Schwung verloren. In den bisherigen fünf Monaten des Jahres war der Neuwagenabsatz im Schnitt um 4,5 Prozent auf knapp 5,825 Millionen Erstzulassungen gestiegen.

Auch Constantin Gall, Mobilitätsexperte der Unternehmensberatung EY, sieht folglich keine tiefgreifende Trendwende im europäischen Automarkt. Der Absatz bewege sich seit 2023 mehr oder weniger auf dem gleichen Niveau, mit kleineren Abweichungen nach oben oder unten. Letztlich liege das Neuwagenvolumen rund ein Fünftel unter der Vor-Corona-Zeit. „Das ist die neue Normalität, mit der die Autoindustrie umgehen muss“, bilanzierte Gall.

Zudem entwickeln sich die einzelnen Märkte sehr unterschiedlich. Während in Deutschland nur ein Plus von 0,1 Prozent in der Statistik ausgewiesen wird, legte der Absatz in Großbritannien (+7,1 %) und in Italien (+7,6 %) im Mai deutlich zu. Die Nachfrage in Frankreich (+3,7 %) und in Spanien (+1,2 %) konnte da nicht mithalten.

Auch in mehreren mittleren Märkten war die Entwicklung verhalten. In Belgien (-2,1 %) wurden sogar weniger Autos neu zugelassen als im Vorjahresmonat. In den Niederlanden (+1,1 %) ging es nur verhalten aufwärts, in Polen dagegen recht deutlich (+6,3 %), während der Absatz in der Schweiz (-1,1 %) leicht zurückging.

Elektro zieht den Markt nach oben

Wie auch in Deutschland zeigen sich Absatzzuwächse vor allem und europaweit nur bei den Elektrofahrzeugen. Ihr Absatz kletterte im Vergleich der Mai-Monate um gut 40 Prozent. Ihr Marktanteil stieg über alle erfassten Märkte hinweg von 17,4 auf 23,3 Prozent. Der Marktanteil der Plug-in-Hybride legte von 9,8 auf 10,7 Prozent zu. Der Absatz von Benzin- und Diesel-Modellen ging dagegen europaweit jeweils um 19 Prozent zurück.

Interessanterweise kletterten die Elektrozulassungen auch in Ländern, deren Pkw-Elektrifizierung bislang nur langsam vorangekommen war. Darunter sind etwa Slowenien (+125 %), Portugal (+56 %) oder Ungarn (+65 %). Allerdings erreichen die BEV-Marktanteile in diesen Ländern dennoch nur etwa zehn Prozent. Getragen wird die Elektro-Nachfrage europaweit laut Acea nicht zuletzt „von neuen und überarbeiteten Steuervorteilen sowie Förderprogrammen“.

Wegen der Subventionen ist EY-Experte Gall noch skeptisch hinsichtlich der Markterholung. „Das Plus bei Elektroautos ist zwar grundsätzlich erfreulich – allerdings sind es in erster Linie staatliche Subventionen, die für die steigenden Absatzzahlen verantwortlich sind“, sagte er laut einer EY-Pressemitteilung. Im Kern sorge derzeit der Staat für Wachstum auf dem Neuwagenmarkt. Früher oder später müsse der E-Auto-Markt auf eigenen Beinen stehen, „aber so weit sind wir noch lange nicht“.

Chinesische Fabrikate legen kräftig zu

Zu den Gewinnern der aktuellen Absatzentwicklung gehören die chinesischen Fabrikate sowie Tesla. Sie alle legten teils exponenziell zu, wobei die Vergleichszahlen vom Mai 2025 oft sehr niedrig waren: Leapmotor (+531 % im Jahresverlauf), Chery (+265 %), BYD (+159 %), Tesla (+77 %), SAIC (+12 %). In Summe legten die chinesischen Hersteller (Geely, SAIC, BYD, Chery und Leapmotor) um 57 Prozent zu, ihr Marktanteil stieg insgesamt von 6,0 auf 9,0 Prozent. Jeder elfte im aktuellen Jahr in der EU neu zugelassene Pkw ist damit chinesischer Herkunft, heißt es in der EY-Mitteilung.

„Die chinesischen Autobauer erobern langsam, aber sicher Marktanteile in Europa – gerade in den südeuropäischen Ländern sind kostengünstige chinesische Modelle echte Bestseller“, analysiert Gall. Die Fabrikate aus Fernost profitieren aus seiner Sicht überdurchschnittlich stark von den Elektro-Fördermaßnahmen. Dazu kämen immer mehr Vertriebskooperationen zwischen europäischen Herstellern und Händlergruppen einerseits und chinesischen Marken andererseits, „die den chinesischen Autobauern den Zugang zum europäischen Markt erleichtern“.

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