IAA Transportation Nutzfahrzeugbranche zieht Rekord-Besucherzahlen an

Von Andreas Grimm 4 min Lesedauer

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Die Nutzfahrzeug-IAA hat in diesem Jahr mehr als 140.000 Menschen in die Messehallen in Hannover gebracht. China-Marken, alternative Antriebe und E-Lkw sind einige wesentliche Trends. Auch die Lade- und Wasserstoffinfrastruktur ist ein wesentliches Thema – und die Politik in der Pflicht.

Die IAA Transportation hat die Trends der Nutzfahrzeugbranche offenbart: Digitalisierung, alternative Antriebe, chinesische Hersteller – und Infrastruktur-Probleme.(Bild:  VDA/IAA Transportation)
Die IAA Transportation hat die Trends der Nutzfahrzeugbranche offenbart: Digitalisierung, alternative Antriebe, chinesische Hersteller – und Infrastruktur-Probleme.
(Bild: VDA/IAA Transportation)

Die IAA Transportation 2026 in Hannover ist mit mehr als 140.000 Besuchern zu Ende gegangen. Vom 15. bis 20. September präsentierten 1.589 Aussteller aus 46 Ländern ihre Produkte und Services für die Nutzfahrzeug-, Transport- und Logistikbranche. Nach Angaben des Verbands der Automobilindustrie (VDA) erreichte die Messe damit einen neuen Höchststand bei der internationalen Beteiligung.

Besonders stark vertreten waren Unternehmen aus China, der Türkei und Italien. Insgesamt stellten die Aussteller mehr als 150 Weltpremieren und weitere Neuheiten vor. An den Werktagen kamen laut Veranstalter mehr als 113.000 Fachbesucher nach Hannover. Ihr Anteil aus dem Ausland lag bei 40 Prozent und damit deutlich über dem Wert der Veranstaltung von 2024, als er 34 Prozent betragen hatte. Die meisten internationalen Fachbesucher kamen aus den Niederlanden, China und Polen.

Auch die Zusammensetzung des Fachpublikums unterstreicht nach Angaben des VDA die wirtschaftliche Bedeutung der Messe. 77 Prozent der Fachbesucher gaben an, Einfluss auf Einkaufs- und Beschaffungsentscheidungen in ihren Unternehmen zu haben. 2024 waren es 71 Prozent. Mehr als die Hälfte der Befragten plant in den kommenden sechs bis zwölf Monaten Investitionen im Nutzfahrzeugbereich (52 %). Weitere 17 Prozent ziehen entsprechende Investitionen möglicherweise in Betracht.

Die Zufriedenheit der Besucher lag laut Veranstalter bei 92 Prozent. 88 Prozent der Fachbesucher gaben an, die IAA Transportation 2028 wieder besuchen zu wollen. Neun von zehn würden die Messe ihren Kollegen weiterempfehlen.  

Industrie sieht sich für Transformation gerüstet

VDA-Präsidentin Hildegard Müller wertete die Messe als Beleg dafür, dass die Industrie Produkte für einen klimaneutralen und digitalen Straßengüterverkehr entwickle. „Gerade im Schwerlastverkehr ist das Potenzial für den Klimaschutz enorm“, erklärte Müller laut Pressemitteilung. Die Unternehmen hätten in Innovationen und neue Technologien investiert und auf der IAA gezeigt, dass sie bei unterschiedlichen Antriebskonzepten international wettbewerbsfähig seien.

Im Mittelpunkt standen batterieelektrische und wasserstoffbetriebene Nutzfahrzeuge, digitale Fahrzeug- und Flottenlösungen sowie Systeme für automatisiertes und perspektivisch autonomes Fahren. Ein besonderes Augenmerk lag außerdem auf dem Megawatt-Charging-System (MCS). Das auf den Aufbau eines Lkw-Ladenetzes fokussierte Unternehmen Milence demonstrierte dazu, wie sich Fahrzeuge von Daimler Truck, MAN Truck & Bus sowie Scania während der gesetzlich vorgeschriebenen Ruhezeiten auf bis zu 80 Prozent oder vollständig aufladen lassen.

VDA fordert schnelleren Infrastrukturausbau

Gleichzeitig machte der VDA deutlich, dass die Markteinführung emissionsfreier Nutzfahrzeuge nicht allein von den Herstellern abhänge. Vor allem beim Ausbau der Lade- und Wasserstoffinfrastruktur sowie bei den Energiepreisen klaffe derzeit eine Lücke zwischen den politischen Zielen und den tatsächlichen Rahmenbedingungen.

„Jetzt sind Berlin und Brüssel in der Bringschuld“, wiederholte VDA-Präsidentin Müller ihre Forderungen von der IAA-Eröffnung. Für den erfolgreichen Hochlauf alternativer Antriebe brauche es ein Zusammenspiel aus geeigneten Fahrzeugen, einer leistungsfähigen Infrastruktur und wettbewerbsfähigen Energiepreisen. Der Verband fordert deshalb einen „Infrastruktur-Turbo“ sowie eine stärkere Priorisierung beim Ausbau von Stromnetzen, Ladepunkten und Wasserstofftankstellen.

Zudem sprach sich Müller dafür aus, mögliche Strafzahlungen für die Hersteller endgültig auszuschließen. Die Unternehmen dürften nicht für politische Versäumnisse belastet werden, wenn notwendige Voraussetzungen – etwa beim Stromnetzausbau – nicht rechtzeitig geschaffen würden. Die CO2-Ziele sollten nach Ansicht des VDA an messbare Fortschritte beim Infrastrukturausbau und an die tatsächliche Marktentwicklung emissionsfreier Fahrzeuge gekoppelt werden.

Rekord an Testfahrten

Ein neuer Höchststand wurde auch bei den Testfahrten erreicht. 17 Aussteller stellten insgesamt 84 Fahrzeuge zur Verfügung – 40 Prozent mehr als 2024. Bei der letzten IAA Transportation konnten Besucher 60 Fahrzeuge testen. Insgesamt fanden in diesem Jahr 8.500 Testfahrten statt. Das entspricht einem Plus von 32,5 Prozent gegenüber der vorherigen Veranstaltung.

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Ein neues Hallenkonzept ermöglichte es zudem MAN Truck & Bus und Volvo Trucks, Testfahrten direkt von ihren Messeständen aus anzubieten. Die hohe Nachfrage zeige, wie groß das Interesse an den neuen Antriebstechnologien und Fahrzeugkonzepten sei, teilte der Veranstalter mit.

Familienwochenende und hohe Medienpräsenz

Am 19. und 20. September richtete sich die Messe mit einem Fahrer- und Familienwochenende auch an Berufskraftfahrer, Truckfans sowie Familien. Passend zum Weltkindertag verband das Programm Mitmach-Aktionen und Unterhaltung mit Einblicken in die Welt der Nutzfahrzeuge. Zugleich würdigte die Veranstaltung die Arbeit der Berufskraftfahrer, die für die Funktionsfähigkeit von Wirtschaft und Logistik eine zentrale Rolle spielen.

Auch das Medieninteresse war groß. Knapp 1.400 Journalisten aus 50 Ländern berichteten aus Hannover. Rund die Hälfte von ihnen kam aus dem Ausland. Die Aussteller veranstalteten mehr als 110 Pressekonferenzen. Nach Angaben des Veranstalters wurde in Medien aus insgesamt 125 Ländern über die Messe berichtet; rund 85 Prozent der Berichterstattung entfielen auf internationale Medien.

Die nächste IAA Transportation findet vom 19. bis 24. September 2028 in Hannover statt. Der Pressetag ist für den 18. September 2028 geplant.

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