Längere Bestellfristen Renault nimmt Roboterlager am ehemaligen Stammsitz in Betrieb

Von Yvonne Simon 3 min Lesedauer

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In einer neuen Halle am ehemaligen Stammsitz Brühl hat Renault einen Teil seiner Aftersales-Logistik automatisiert. Werkstätten sollen unter anderem von längeren Bestellfristen profitieren.

Renault hat ein neues Logistikcenter in Brühl eingeweiht. (Bild:  Simon – VCG)
Renault hat ein neues Logistikcenter in Brühl eingeweiht.
(Bild: Simon – VCG)

Hoch, runter, links, rechts: 89 quaderförmige Roboter sausen durch Renaults neues Ersatzteillager und befördern Boxen mit der gewünschten Ware zu den Mitarbeitern. Weniger als ein Jahr nach Spatenstich hat der Importeur sein automatisiertes Logistikcenter am vergangenen Mittwoch (17. Juni) an seinem alten Stammsitz in Brühl eröffnet und verspricht sich und den Werkstätten effizientere Prozesse.

Nach und nach sollen in den kommenden Wochen nun die Teile vom alten Lager, das sich am selben Standort an der Renault-Nissan-Straße befindet, rüber in die neue Halle ziehen. Im August will Renault den Betrieb der neuen Anlage aufnehmen – das sei über ein Quartal früher als ursprünglich verkündet, freut sich der Importeur. Ab Oktober wird das alte, aus den 60er-Jahren stammende Lager dann abgerissen.

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Das neue Logistikcenter steht auf einer Fläche von rund 24.000 Quadratmetern, das entspricht nahezu vier Fußballfeldern. Die Halle ist mit elf Metern drei Meter höher als die bisherige, wodurch der Platz effizienter genutzt werden kann. Die Lagerkapazität steigt Renault zufolge um 15 Prozent.

Teile, die bis zu 15 Kilogramm wiegen und in die 60 mal 40 mal 30 Zentimeter großen Boxen passen, lagert Renault nun in ein automatisiertes System der französischen Firma Exotec ein, welches das Herzstück der neuen Halle bildet. Größere Teile werden jedoch weiterhin manuell bearbeitet.

In dem Exotec-Roboterlager wird Renault in unterschiedlicher Stückzahl 22.000 verschiedene Artikel vorhalten, das entspricht der Hälfte der Teilenummern. Alle zwei Sekunden pickt ein Roboter ein Teil. Pro Stunde können bis zu 1.600 Behälter bearbeitet werden, wobei jeder davon noch in bis zu 8 Fächer unterteilt werden kann. Um die 250 Kundenaufträge können pro Stunde gleichzeitig bearbeitet werden, gibt Renault an.

Bestellfrist rückt nach hinten

Durch den hohen Automatisierungsgrad will Renault die Fehlerquote in der Logistik minimieren und peilt 95 Prozent Servicelevel an. François Delion, VP Global Aftersales & Network Service, stellte bei einem Pressegespräch anlässlich der Eröffnung 30 Prozent weniger Reklamationen in Aussicht. Die Teile werden überall mit Barcodes getrackt, am Ende findet noch ein Plausibilitäts-Check auf der Waage statt.

Renault-Deutschland-Chef Florian Kraft betonte bei dem Pressegespräch allerdings, dass sich für Werkstätten und Kunden nur wenig spürbar ändern werde, da man bereits jetzt auf einem „Topniveau“ arbeite. Gleichwohl will Renault für die rund 740 Werkstätten künftig die Bestellfrist für eine Lieferung am nächsten Tag um eine Stunde nach hinten verschieben.

Entlastung der Belegschaft

Große Auswirkungen hingegen wird das neue Logistikcenter für die 140-köpfige Belegschaft in Brühl haben. Während Renault Deutschland 2023 seine Zentrale nach Köln-Mülheim verlegte und Ex-Nachbar Nissan bereits im Jahr zuvor nach Wesseling weggezogen war, blieben die Mitarbeiter im Logistikbereich in den wenig zeitgemäßen Räumlichkeiten zurück. Neben einem moderneren Arbeitsumfeld werden sie nun körperlich entlastet. Zum Beispiel erspare die neue Anlage den Mitarbeitern 12 bis 15 Kilometer Laufweg pro Tag, berichtete Aftersales-Direktor Oliver Schieritz.

Positive Auswirkungen soll der Standort auch auf die Energiebilanz und Nachhaltigkeitsziele von Renault haben. Der Energieverbrauch soll gegenüber des alten Lagers um 20 Prozent sinken. Ressourcen schonen soll eine smartere Verpackung. Kartons werden automatisch der Höhe des größten zu versendenden Teils angepasst. Dadurch will Renault weniger Luft verpacken und Platz beim Transport sparen. 450 Kartons können pro Stunde aufgebaut werden, die Schlagzahl soll künftig noch erhöht werden. Renault rechnet zunächst damit, 1.200 Kartons täglich zu benötigen.

Renault ist Nutzer, nicht Besitzer

Demnächst möchte Renault auch Händler einladen, das neue Logistikcenter zu besichtigen. Man wolle ein Zeichen setzen, dass auch der Importeur in seine Standorte investiere und dies nicht nur von den Partnern verlange, sagte Schieritz. Wie viel in Brühl investiert wurde, verrät Renault allerdings nicht, nur dass es sich um eine Summe im „signifikanten Millionenbereich“ handele. Dass keine konkretere Zahl genannt wird, liegt auch daran, dass Renault der Standort nicht mehr gehört. Der Entwickler des Standorts ist Marq Logistics (ehemals GLP), Renault ist lediglich Nutzer. Nach dem Abriss der alten Halle will sich Marq auch um die Entwicklung des weiteren Areals kümmern.

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