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Audis Digital-Offensive im Vertrieb zündet bislang nicht

| Autor: Christoph Seyerlein

Regelmäßig hatte Audi zuletzt kommuniziert, die Corona-Krise als Chance für eine Digitalisierung des Vertriebs nutzen zu wollen. Zumindest in Deutschland kommt das Angebot bei Neuwagenkäufern offenbar bisher nicht an.

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Audi hatte während des Corona-Lockdowns regelmäßig auf die eigene Digitalisierungs-Offensive hingewiesen.
Audi hatte während des Corona-Lockdowns regelmäßig auf die eigene Digitalisierungs-Offensive hingewiesen.
(Bild: Audi)

Während des Corona-Lockdowns hatte Audi sehr offensiv kommuniziert, mit digitalen Hilfsmitteln auf die verheerende Situation im Handel reagieren zu wollen. Dabei berichteten die Ingolstädter regelmäßig über Fortschritte und Erfolge. In Deutschland hat Audi zuletzt den Online-Verkauf von Händlerlagerwagen pilotiert. Zudem setzte die VW-Tochter in Zeiten geschlossener Verkaufsräume stärker auf die Videoberatung der Kunden.

Vertriebsvorständin Hildegard Wortmann unterstrich nun in einem Podcast der Convoco Foundation: „Wir haben bei der Digitalisierung viel für unsere Kunden und Händler getan.“

Konkurrenz zuletzt stärker

Bei deutschen Kunden konnte Audi damit aber zumindest im Neuwagengeschäft bislang nicht besonders punkten. Der Blick auf die jüngsten Neuzulassungszahlen hierzulande dürfte die Ingolstädter jedenfalls ernüchtern. Während BMW (+17,4 %) und Mercedes (+10,7 %) im Juli bereits wieder Zuwächse einfuhren, brach der Audi-Absatz weiter ein – diesmal um 20,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Immerhin: Weltweit hat Audi nach eigenen Angaben im Juli mit mehr als 160.000 Auslieferungen ein leichtes Plus erzielen können. Das dürfte vor allem auf gute Geschäfte in China zurückzuführen sein.

Bei den Marktanteilen im Neuwagengeschäft hierzulande liegt die VW-Tochter ebenfalls hinter der Premiumkonkurrenz zurück. Hier führt nach sieben Monaten Mercedes mit 9,9 Prozent vor BMW mit 8,3 Prozent. Audi erreicht im laufenden Jahr bislang 8,0 Prozent.

Handel klagt über lange Lieferzeiten

Der Handel klagte zuletzt über teils äußerst lange Lieferzeiten selbst bei Standardmodellen wie dem A4. Laut dem Hersteller beträgt die Lieferzeit bei jenem Fahrzeug derzeit vier bis fünf Monate. Zudem sind einige Partner unzufrieden mit dem Umgang des Herstellers mit der Corona-Krise. Viele hätten sich die Option gewünscht, ihre Bonifizierung im Neuwagen-Einzelkundengeschäft vorerst fixieren lassen zu können. Bei VW Pkw ist das beispielsweise möglich. Audi lehnte dies jedoch ab und erklärte sich stattdessen lediglich dazu bereit, den Performance-Bonus und die Vorführ- und Lagerwagenstandards anzupassen.

Darüber hinaus kritisierte mancher Audi-Händler im Gespräch mit »kfz-betrieb« über eine verfehlte Modell- und Preispolitik des Herstellers. Gerade in den kleineren Segmenten fehlt den Partnern bislang ein bezahlbares Elektro-Modell, mit dem sie über die Plug-in-Hybride hinaus vom derzeitigen Elektro-Aufschwung profitieren könnten.

Der E-Tron, Audis bislang einziges E-Modell, ist mit dem großen Batteriepaket für die staatliche Förderung zu teuer. Für die kleinere Variante Audi E-Tron 50 Quattro können Käufer zwar eine Prämie in Höhe von 7.500 Euro bekommen, jenes Modell ist aber dem Handel zufolge bei Kunden kaum gefragt. Auch Audi-Chef Markus Duesmann hatte zuletzt gesagt, die meisten E-Tron-Kunden bevorzugten die größere Batterie. Insgesamt zeigt sich der Hersteller mit den Verkaufszahlen des Modells aber äußerst zufrieden – im ersten Halbjahr setzte Audi weltweit 17.641 Einheiten ab, in Deutschland 3.233.

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