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Auto Wichert: Investorensuche soll Ende April abgeschlossen sein

| Autor: Christoph Seyerlein

Der insolvente Hamburger Volkswagen-Händler vermeldet kleine Fortschritte im Restrukturierungsverfahren. Die Fahrzeugauslieferungen an Kunden können wieder anlaufen. Und auch mit potenziellen Investoren ist die Gruppe im Gespräch.

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(Bild: Auto Wichert)

Am 18. Februar hatte Auto Wichert einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. Seitdem musste das Hamburger Volkswagen-Handelsunternehmen viel negative Presse über sich ergehen lassen. Die lokalen Tageszeitungen berichteten über Kunden, die auf ihre gekauften Fahrzeuge warteten und ihren Unmut äußerten. Nun hat die Gruppe nach eigenen Angaben einen Schritt nach vorne gemacht.

Die erneute Erfassung des gesamten Fahrzeugbestands und die Dokumentation der jeweiligen Vertragslage unter Einhaltung der insolvenzrechtlichen Vorgaben sind abgeschlossen. Jener Prozess hatte zu den Verzögerungen bei den Auslieferungen an Kunden geführt. Gerrit Hölzle, der die Restrukturierung bei Wichert leitet, sagte: „Wir haben den Prüfungsprozess jetzt abgeschlossen und entsprechende Vereinbarungen zur Vertragsabwicklung mit den Herstellern Audi und VW sowie der Volkswagen Bank geschlossen.“ Alle vor dem Insolvenzantrag verkauften Neu- und Gebrauchtwagen werde man zeitnah ausliefern. Bei Skoda und Seat ist das noch nicht der Fall, aber auch bei jenen Modellen ist Hölzle zuversichtlich, „kurzfristig ebenfalls mit der Auslieferung beginnen zu können.“

Der Geschäftsbetrieb an den 23 Standorten in Hamburg läuft währenddessen uneingeschränkt weiter. Auch die Ansprechpartner bleiben gleich. Wichert-Geschäftsführer Bernd Lindemann teilte mit: „Das gilt für alle unsere Geschäftsbereiche, für den Verkauf unserer Bestandsfahrzeuge genauso wie für den Werkstattbetrieb und den Teile- und Zubehörverkauf. Gleiches gilt auch für den bevorstehenden Räderwechsel.“

Nun arbeite man bei Wichert „weiter intensiv am Konzept für die Restrukturierung des Autohauses“. Erste Gespräche mit möglichen Investoren haben bereits stattgefunden. Dabei soll es sich um potenzielle Geldgeber mit „namhafter“ Branchenerfahrung handeln. Weit fortgeschritten sind die Verhandlungen aber offenbar noch nicht. „Mit belastbaren Ergebnissen aus der Investorensuche wird Ende April gerechnet“, heißt es in der Wichert-Mitteilung.

Insolvenz nach intensivem Jahr 2019

Den Gang in die Insolvenz hatte Auto Wichert nach einem intensiven Jahr 2019 vollzogen. Der Volkswagen- und Audi-, Skoda- und Seat-Partner hat mehrere Betriebe des insolventen Händlers Willy Tiedtke in Hamburg übernommen. Im November eröffnete das Unternehmen zudem in Hamburg-Hammerbrook ein Audi-Terminal, in das Wichert über 15 Millionen Euro investiert hat.

Mitte Januar hat es außerdem einen Wechsel in der Geschäftsführung gegeben: Seit dem 15. Januar leitet Bernd Lindemann den kaufmännischen Bereich des Hamburger Händlers. Er folgte auf Bernd Kußmaul, der sich zum Ende des ersten Quartals 2020 aus dem operativen Geschäft zurückziehen will. Lindemann soll künftig gemeinsam mit Bernd Glathe die Geschäftsführung des Unternehmens bilden.

2018 hatte Auto Wichert knapp 18.000 Fahrzeuge verkauft, im vergangenen Jahr dürften es auch dank der Übernahmen wesentlich mehr gewesen sein. Der Umsatz belief sich 2018 auf gut 350 Millionen Euro, auch jener Wert dürfte 2019 spürbar gestiegen sein. Für die Gruppe arbeiten aktuell rund 1.350 Mitarbeiter.

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