Nissan-Streichliste: Arbeitsplätze, Datsun und doch Modelle

Stellenkürzungen umfassender als geplant

| Autor: Andreas Grimm

(Bild: Nissan)

Die Wahrscheinlichkeit, dass die anhaltenden Gerüchte zu einschneidenden Maßnahmen rund um die Renault-Nissan-Allianz mehr als nur einen wahren Kern enthalten, steigt derzeit scheinbar mit jedem Tag. Nachdem das Enthüllungsblatt „Le Canard Enchaîné“ von Werksschließungen in Frankreich berichtete, legte die japanische Nachrichtenagentur „Kyodo“ am Freitag unter Berufung auf nicht genannte Quellen nach. Ihrem Bericht zufolge sollen bei Nissan 20.000 Stellen wegfallen.

Die aktuelle Nissan-Meldung passt ins Bild großer Verunsicherung. Erst Anfang Mai hatte die Nachrichtenagentur „Reuters“ über einen Rückzug der Japaner aus Europa berichtet. Guillaume Pelletreau, Geschäftsführer von Nissan Center Europe, hatte diese Darstellung auf Anfrage von »kfz-betrieb« dementiert und auf neue Modelle verwiesen.

Derzeit blicken alle Beteiligten und Betroffenen gespannt auf die kommende Woche, wenn nicht nur Renault am 27. Mai, sondern auch Nissan einen Tag später Zahlen sowie die mittel- und langfristigen Businesspläne vorlegen wollen. Nissan hat zumindest den „Kyodo“-Bericht nicht dementiert, sondern gar nicht kommentiert. Dass Nissan Arbeitsplätze abbaut, war schon länger bekannt. Bislang geplant war aber nur eine Reduzierung um 12.500 Stellen. Für das Ende März abgelaufene Geschäftsjahr rechnen die Japaner mit einem Verlust von 95 Milliarden Yen (805 Mio. Euro). Es wäre der erste Nettoverlust seit elf Jahren.

Dabei werden sich die Nissan-Sparmaßnahmen nicht allein auf die Mitarbeiter beziehen, sondern auch auf das Konzern-Portfolio. Die Edelmarke Infiniti hatten die Japaner wegen anhaltender Erfolglosigkeit ja bereits aus Europa abgezogen – und den Service jüngst und naheliegenderweise auf die Nissan-Partner übertragen. Nun scheint es der Billigmarke Datsun an den Kragen zu gehen.

Verschiedene Medien berichten – wenn auch ohne Angabe von Quellen – über die Einstellung der Marke. Sie war vor sieben Jahren für einige Schwellenländer und Russland reanimiert worden, um die aufstrebenden Märkte mit einem erschwinglichen Produkt (und fragwürdigen Sicherheitsstandards) zu bedienen. Zuletzt hatte die Schweizer Zeitung „Blick“ am Mittwoch über eine Einstellung spekuliert.

In Russland lief es zuletzt für Datsun dabei gar nicht so schlecht. 2019 legte der Absatz dort um 9 Prozent auf 22.500 Einheiten zu. Doch die ambitionierten Absatzziele aus der Ära Ghosn haben die Billig-Japaner wohl nie erreicht. International war es um die Marke, deren Verkauf in Europa nie vorgesehen war, zuletzt still geworden. Anfangs waren mit den Kleinwagen Go und Go+ zwei Modelle auf den Markt gekommen, gefolgt vom Redi-Go und zuletzt dem SUV Go Cross (2018). Seither schweigt die internationale Presseseite.

Die französische Autozeitung „Auto Plus“ titelte am vergangenen Montag „Nissan und Renault töten Marke Datsun“ – aus finanziellen Gründen, da sich nicht zuletzt in strategischen Märkten wie Indien kein kommerzieller Erfolg eingestellt habe. Datsun werde einem „großen Sparplan“ geopfert. Allerdings lässt „Auto Plus“ auch die Spekulation um eine Vereinfachung der Nissan-Palette wieder aufleben: eingespart würden unrentable Modelle wie das Stadtauto Micra.

Es bleibt bis nächste Woche also spannend hinsichtlich des künftigen Modell-Angebots – auch bei Renault. Die Franzosen wollten die Modelle Espace, Scenic und Talismann ersatzlos einstellen, berichten „Blick“ und „Auto Plus“. Grund sei die sinkende Nachfrage. Renault Deutschland kann zu den Medienberichten nichts sagen. Er wisse nichts und warte gespannt auf die Konzernaussagen in der kommenden Woche, sagte Sprecher Martin Zimmermann auf Anfrage von »kfz-betrieb«.

Das Nissan-Management steht seit dem Rausschmiss von Carlos Ghosn als Verwaltungsratschef unter Druck. Das von Ghosn einst geschaffene und kontrollierte Bündnis aus Renault, Nissan und Mitsubishi geriet in eine schwere Krise. Nun will Nissan den Sparkurs verschärfen. Medienberichten der vergangenen Woche zufolge sollen die jährlichen Kosten um 300 Milliarden Yen (2,5 Mrd. Euro) gesenkt werden.

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