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Schwache Halbjahresbilanz: Viele Baustellen für Audis neue Vertriebschefin

Autor: Christoph Seyerlein

Audi hat beim Absatz im ersten Halbjahr Einbußen hinnehmen müssen. Der Rückstand auf die Konkurrenz ist mittlerweile gewaltig. Auf die neue Vertriebschefin Hildegard Wortmann wartet viel Arbeit.

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(Bild: Seyerlein/»kfz-betrieb«)

Ein Sondereffekt in China hat Audi ein Absatzplus im Juni beschert. Wie der Hersteller am Donnerstag vermeldete, setzte er im zurückliegenden Monat weltweit rund 166.700 Neuwagen ab – 1,7 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Für das erste Halbjahr 2019 steht dennoch ein Minus in den Büchern: 906.200 Auslieferungen bedeuteten im Vergleich zu 2018 einen Rückgang um 4,5 Prozent.

Dementsprechend bezeichnete Martin Sander, der den Audi-Vertrieb im Vorstand zuletzt kommissarisch geleitet hatte, das erste Halbjahr auch als „von zahlreichen Herausforderungen wie Modellwechseln bei Volumenmodellen und den Spätfolgen der WLTP-Umstellung geprägt.“

Zum 1. Juli hat nun Hildegard Wortmann die Führungsrolle übernommen. Auf sie wartet eine schwere Aufgabe: Audi muss sich weiter mit den Folgen des eigenen Diesel-Betrugs herumschlagen. Gleichzeitig will der Hersteller bei der Elektromobilität Tempo machen. Aber auch die Umstellung auf das Prüfverfahren WLTP 2nd Act im Herbst muss der Hersteller vorbereiten. Im Vorjahr hatte die Einführung der ersten WLTP-Phase die VW-Tochter schwer belastet. Wegen zu geringer Prüfstandskapazitäten hatten die Audi-Händler zeitweise kaum neue Fahrzeuge verfügbar.

Das Thema Handel an sich dürfte Wortmann ebenfalls schnell beschäftigen: Die deutschen Partner hatten sich zuletzt wegen einer Kooperation des Herstellers mit „Erzfeind“ Sixt empört gezeigt.

Ein weiteres Problem: Beim Absatz ist der Rückstand zu den Hauptkonkurrenten Mercedes und BMW mittlerweile gewaltig. BMW setzte beispielsweise allein im Juni fast 40.000 Fahrzeuge mehr ab als Audi. Und der derzeitige Marktführer Mercedes ist sogar noch ein Stückchen weiter enteilt.

Laut Martin Sander blickt Audi dem zweiten Halbjahr dennoch optimistisch entgegen. „Wir erwarten Wachstumsimpulse, denn unsere Modelloffensive wird etwa mit dem neuen Audi Q3 Sportback, den überarbeiteten Q7- und A4-Modellen und unseren Plug-in-Hybrid-Modellen zunehmend ihre Wirkung entfalten“, teilte er mit. Das Juni-Ergebnis stimmt die Ingolstädter schon einmal positiv.

Ohne China wäre auch der Juni düster ausgefallen

Allerdings ist dabei zu beachten, dass die Zuwächse hauptsächlich auf einen Einmal-Effekt in China zurückzuführen sind. Die Umstellung der im Land gültigen Homologationsnorm von C5 auf C6 verschaffte dem Gesamtmarkt einen positiven Impuls, von dem die Marken des Volkswagen-Konzerns nach eigener Auskunft besonders profitieren konnten. So auch Audi: Das Premiumfabrikat wuchs im Juni im Reich der Mitte um 22,2 Prozent.

Ansonsten verlief der zurückliegende Monat für die Ingolstädter – vorsichtig ausgedrückt – durchwachsen. In den weiteren großen Märkten Europa (-3,4 %) und USA (-0,3 %) musste der Hersteller Absatzeinbußen hinnehmen.

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Über den Autor

 Christoph Seyerlein

Christoph Seyerlein

Redakteur im Ressort Newsdesk bei »kfz-betrieb«