Mehr Bio-Ethanol im Kraftstoff könnte die CO2-Bilanz im Straßenverkehr verbessern, erste Tests mit Super E20 laufen. Das Aus vom Verbrenner-Aus könnte den Prozess der Einführung nun beschleunigen.
Gibt es bald noch mehr Auswahl? Nach dem Aus des Verbrenner-Aus könnte nun Super E20 an die Tankstellen kommen.
(Bild: Aral)
Rund 15 Jahre nach der bundesweiten Einführung von E10-Sprit könnte bald der nächste Schritt zu E20 kommen – zumindest wenn es nach Verkehrsminister Steffen Bilger geht. „Zurzeit setze ich mich mit meinem französischen Amtskollegen dafür ein, dass wir die Beimischung von Biokraftstoffen erhöhen“, sagte der Christdemokrat der „Augsburger Allgemeinen“ auf die Frage, wie er dem Klimaschutz stattdessen Rechnung tragen wolle. „Da gäbe es beispielsweise E20 an den Zapfsäulen.“ Die Bezeichnungen E5 und E10 geben den maximalen Anteil von Bioethanol am Benzin an. E20 entspräche einer maximalen Beimischquote von 20 Prozent.
Bilgers Initiative steht im Zusammenhang mit dem jüngsten deutsch-französischen Vorstoß gegen ein striktes Verbrenner-Aus zum Jahr 2035. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte die Einigung mit Paris so zusammengefasst: „Das Verbrenner-Aus ist dann damit Geschichte.“
Ganz neu ist E20 nicht. Der Kraftstoff wird nach früheren Angaben des ADAC bereits getestet, und zwar in Mannheim. „Der Kraftstoff mit einer bis zu 20-prozentigen Bioethanol-Beimischung soll allerdings bislang nur im Rahmen eines geschlossenen Flottentests erprobt werden“, hieß es im Sommer bei dem Automobilclub. Voraussetzung dafür, dass Autofahrer Benzin mit einer bis zu 20-prozentigen Bioethanol-Beimischung (Super E20) tanken können, sei eine Anpassung der Qualitätsnorm für Ottokraftstoffe (DIN EN 228), die aktuell nur einen Ethanol-Anteil von maximal 10 Prozent zulasse, so der ADAC.
Nach Einschätzung des Automobilclubs AvD müssen Autofahrer beim Einsatz von E20 nicht um ihr Fahrzeug fürchten. „Für Fahrzeuge, die vom Hersteller ohne Einschränkungen bereits als E10-verträglich freigegeben sind und moderne Kraftstoffsysteme besitzen, ist auch die Nutzung von E20 aus technischer Sicht sicher möglich“, hieß es im Frühjahr in einer Mitteilung.
Beratungen um Aus vom Verbrenner-Aus laufen noch
Vertreter der EU-Staaten und des Europaparlaments hatten sich 2022 darauf geeinigt, dass Neuwagen in der EU ab 2035 im Betrieb kein klimaschädliches Kohlenstoffdioxid (CO2) mehr ausstoßen dürfen. Andernfalls drohen Strafzahlungen. Die EU-Kommission hatte im Dezember vorgeschlagen, weiter Autos mit Verbrennungsmotor neu zuzulassen. Darüber beraten derzeit jeweils das Europaparlament und die EU-Staaten. Ohne ihre Zustimmung tritt der Plan nicht in Kraft.
Deutschland und die Autoindustrie hatten sich lange für ein Aufweichen des eigentlich beschlossenen Verbrenner-Aus eingesetzt. Nun haben sich Berlin und Paris auf gemeinsame Vorschläge zur Zukunft von Verbrennermotoren und E-Autos geeinigt. Sie würden dazu führen, dass die Autoindustrie auch nach 2035 neue Verbrenner und Hybridfahrzeuge verkaufen dürfte, ohne dass Strafzahlungen drohen. Die Verständigung könnte eine Mehrheit im Rat der EU-Staaten ermöglichen.
Bilger nannte das Verbrennerverbot in seiner bisherigen Form einen Fehler. „Die Bundesregierung liefert, was sie versprochen hat: eine Korrektur des bisherigen Kurses und mehr Technologieoffenheit“, sagte er laut Mitteilung seines Ministeriums. „Auch nach 2035 werden Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor zugelassen und genutzt werden können, wenn sie erneuerbare Kraftstoffe einsetzen. Denn erneuerbare Kraftstoffe können auch künftig einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten.“
Geteiltes Echo in der Autoindustrie
Deutschlands größter Autobauer Volkswagen nannte die gemeinsame Position von Deutschland und Frankreich ein starkes Signal für Europa und seine Handlungsfähigkeit. „Der Vorschlag aus Berlin und Paris ist ein großer Wurf“, hieß es wörtlich von einem Sprecher des VW-Konzerns. „Frankreich und Deutschland schlagen in der CO2-Flottenregulierung einige sinnvolle Flexibilitäten vor.“
Stand: 08.12.2025
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Die Präsidentin des Branchenverbandes VDA, Hildegard Müller, kritisierte indes, die deutsch-französische Einigung bleibe in relevanten Punkten noch hinter den notwendigen Anpassungen zurück. „In den Verhandlungen im Rat und im Parlament besteht daher weiterer Gesprächs- und Anpassungsbedarf“, sagte sie laut Mitteilung des Verbandes. Als Beispiel nannte Müller „die spezifischen Besonderheiten des Nutzfahrzeugsektors“, die weder bei der EU-Kommission noch im deutsch-französischen Papier berücksichtigt seien.
Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD), der im VW-Aufsichtsrat sitzt, versicherte im Deutschlandfunk, niemand habe Zweifel, dass der Weg zur E-Mobilität führe. Die Automobilindustrie müsse aber Geld verdienen, um die Transformation zu finanzieren. Zudem brauche es Beschäftigungsstabilität.
Nachholbedarf im Ladenetz
Mit den Lademöglichkeiten für E-Autos ist es laut Bilger europaweit nicht überall zum Besten bestellt. „Nicht jeder hat eine Lademöglichkeit zu Hause oder bei der Arbeit“, sagte der Minister.
„Wir sind in Deutschland sehr gut mit unserem öffentlichen Ladenetz aufgestellt. Aber andere Länder in Europa, für die das Verbrenner-Verbot auch gelten soll, haben noch sehr viel nachzuholen beim Ausbau der Ladeinfrastruktur.“ In vielen Ländern der Welt werde der Umstieg auf E-Autos länger dauern, aber auch dorthin sollten deutsche Autohersteller in Zukunft exportieren.