ADAC-Reifentest Mehr als die Hälfte fällt durch

Von Dipl.-Ing. (FH) Jan Rosenow 3 min Lesedauer

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Wie immer standen zwei Reifengrößen beim ADAC im Test – die Kleinwagendimension 185/65 R 15 und das Mittelklasseformat 225/50 R 17. Vor allem mit den Leistungen der kleineren Reifen zeigten sich die Testfahrer des Klubs nicht zufrieden.

Die Schneeeigenschaften stehen bei der Entwicklung von Winterreifen nicht mehr im Mittelpunkt. Dabei gibt es auch hierzulande durchaus noch echten Winter – wie den letzten.(Bild:  ADAC)
Die Schneeeigenschaften stehen bei der Entwicklung von Winterreifen nicht mehr im Mittelpunkt. Dabei gibt es auch hierzulande durchaus noch echten Winter – wie den letzten.
(Bild: ADAC)

Schon vor wenigen Monaten, beim Ganzjahresreifentest, schaute sich der ADAC Produkte der Dimension 185/65 R 15 an – und zeichnete unter 16 getesteten Profilen gerade mal eines mit der Note „Gut“ aus. So richtig viel besser sind offenbar auch die Winterreifen der gleichen Dimension nicht, wie der aktuelle Test des Autofahrerklubs zeigt.

Nur zwei Produkte erreichten das Gesamturteil „Gut“, wobei der Continental Winter-Contact TS 870 mit 2,2 die beste Bewertung im gesamten Testfeld einfuhr. Er zeigte laut dem ADAC „ausgewogene und durchweg gute Leistungen auf allen Untergründen und eine ordentliche Umweltbilanz“. Der Michelin Alpin 7 auf dem zweiten Platz (Gesamturteil 2,5) überzeugte mit einer guten Fahrsicherheit und zeigt lediglich leichte Abstriche beim Handling auf Schnee.

Mittelfeld mit fünf Produkten

Den beiden Spitzenreitern folgt ein Mittel(maß)feld aus fünf Produkten mit der Note „befriedigend“: Hankook Winter Icept RS 3, Linglong Sport Master Winter, Optimo Winter Touring, Goodyear Ultragrip Performance 3 sowie GT Radial Winter Pro 2 Evo.

Die Namen zeigen: Bisherige Billigmarken holen schnell auf, wenn sie den älteren Konstruktionen der etablierten Hersteller neu entwickelte Produkte entgegenstellen. So wie Linglong oder GT Radial. Bei Optimo hingegen handelt es sich um eine neue Budgetmarke aus dem Hankook-Konzern.

Nur ein einziger Reifen der Größe 185/65 R 15 verdiente sich die Note „gut“. Bei insgesamt 9 von 16 Reifen rät der ADAC vom Kauf ab.(Bild:  ADAC)
Nur ein einziger Reifen der Größe 185/65 R 15 verdiente sich die Note „gut“. Bei insgesamt 9 von 16 Reifen rät der ADAC vom Kauf ab.
(Bild: ADAC)

Doch 9 der 16 Testreifen bekamen keine ADAC-Kaufempfehlung. Mit ihrem Abschneiden nicht zufrieden sein können vor allem zahlreiche bekannte Hersteller, deren 185er beim ADAC nur mit der Note „Ausreichend“ bedacht wurden. Dazu gehören Bridgestone (Blizzak LM 005), Nokian (Snowproof 2), Vredestein (Wintrac), Barum (Polaris 6) und Kumho (Wintercraft WP 52). Das heißt nicht, dass sie nicht in Einzeldisziplinen trotzdem glänzen können. Der Bridgestone beispielsweise ist der Beste auf nasser Fahrbahn; Barum und Kumho sind kompetent auf Schnee.

Billigreifen mit extremer Inselbegabung

Extrem ausgeprägt ist das Thema „Inselbegabung“ beim Rockblade Rock 868 S. Nie gehört? Nun, wenn Sie zufällig Liftbetreiber in den Alpen sind, dann sollten sie sich das Produkt mal anschauen. Er setzt nämlich auf Schnee mit der Note 1,5 („Sehr gut“) die Bestmarke im ganzen Test. Wer hingegen auch mal auf der Straße fährt, sollte die Finger davon lassen – ebenso wie von den anderen No-Name-Reifen am Ende der Tabelle.

Bei der prognostizierten Laufleistung zeigte sich zudem, dass Autofahrer an einigen Winterreifen für Kleinwagen nur kurze Freude haben werden. Die Produkte kommen im Schnitt auf eine prognostizierte Laufleistung von rund 31.000 Kilometern, am unteren Ende der Bewertung landet der Bridgestone mit mageren 22.000 Kilometern. Zum Vergleich: Die Reifen für Mittelklassewagen haben im Schnitt eine erwartbare Laufleistung von über 45.000 Kilometern.

Spitzenreifen nicht unbedingt spitze auf Schnee

Generell sind die Ergebnisse in der Dimension 225/50 R 17 etwas besser ausgefallen: Die Spitze des Testfelds erreicht der Pirelli Cinturato Winter 3 mit einem Gesamturteil von 2,2. Besonders auf nasser Fahrbahn zeigte das italienische Fabrikat eine starke Performance, die nicht weit von der Bestnote „Sehr gut“ entfernt ist. Nur knapp dahinter landete abermals der Winter-Contact TS 870 von Continental (Gesamturteil 2,3). Auch die Reifen von Goodyear und Michelin verdienten sich die Gesamtbewertung „Gut“.

Interessant: Bei der Größe 225/50 R 17 gibt es keine Produkte mit der Note „ausreichend“. Dafür einige (euch etablierte Marken) mit „mangelhaft“.(Bild:  ADAC)
Interessant: Bei der Größe 225/50 R 17 gibt es keine Produkte mit der Note „ausreichend“. Dafür einige (euch etablierte Marken) mit „mangelhaft“.
(Bild: ADAC)

Wer von den Spitzenmodellen im Winterreifentest allerdings auch die besten Wintereigenschaften erwartet, muss umdenken. Denn die drei Erstplatzierten (Pirelli, Conti, Goodyear) hinterlassen auf Schnee mit Noten von 2,4 bis 2,6 keinen so richtig überzeugenden Eindruck. Lediglich der Michelin Alpin 7 (Note 1,7) macht seinem Namen ehre.

Schon klar: Schneebedeckte Straßen sind im mitteleuropäischen Winter selten geworden. Aber immer noch neigen viele Kunden dazu, ihren Reifen nach diesen seltenen Events zu beurteilen – und nicht nach seinen Leistungen im üblichen Mix aus nass und trocken. Es könnte also zu Unmut kommen, wenn der teure Gummi ausgerechnet auf Schnee nur durchschnittlich performt.

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Perle mit zwei Seiten

Damit wollen wir den Reifenverkäufern natürlich nicht raten, ihren Kunden „Perlen“ wie den Sunwide Snowide zu empfehlen – auch wenn der mit der Note 1,3 auf Schnee Kreise um sämtliche Konkurrenten fährt. Denn wehe, es taut (Note 5,5). Nicht jeder betreibt eben einen Skilift in den Alpen.

Reifenverkäufer sollten bei der Empfehlung eines Winterreifens also die Bedürfnisse und das Fahrprofil des Kunden berücksichtigen. Und neben einer guten Fahrsicherheit sollten bei der Entscheidung auch die erreichbare Laufleistung beachtet werden.

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