Wheels & Crime: Episode 12 Pleitewelle im Autohandel? Wenn Abwarten zur Haftungsfalle wird

Von Silvia Lulei 2 min Lesedauer

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Mit der Wahl-Gruppe und Autohaus König haben zwei große Handelsgruppen Insolvenz beantragt. Peter Plagens, Wirtschaftsprüfer und Gründer der Controlling-Software Plan App, hält aber insgesamt ein Drittel der Kfz-Betriebe für insolvenzgefährdet. In der neuen Folge von „Wheels & Crime“ erklärt er, woran Unternehmer die Krise erkennen und warum Abwarten teuer und gefährlich werden kann.

Es zieht sich zu: Rund ein Drittel der Autohäuser gilt als insolvenzgefährdet.(Bild:  Gemini / 3 Pro / KI-generiert)
Es zieht sich zu: Rund ein Drittel der Autohäuser gilt als insolvenzgefährdet.
(Bild: Gemini / 3 Pro / KI-generiert)

Mehr als 500 Kfz-Betriebe meldeten im Jahr 2025 Insolvenz an. In den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 waren es laut Insolvenzradar 344 Fälle. Bis zum Jahresende rechnet Wirtschaftsprüfer Peter Plagens mit 600 bis 700 Fällen. Er schließt nicht aus, dass auch weitere mittlere oder große Autohäuser betroffen sind. Die Größe allein schütze nicht.

Als Ursachen nennt Plagens sinkende Fahrzeugmargen und den Hochlauf der Elektromobilität. Sie setzt den Servicebereich unter Druck, der nach seinen Beobachtungen bis zu 70 Prozent des Deckungsbeitrags 3 liefert. „Das Geschäftsmodell, wie es jetzt ist, wird es mit Sicherheit nicht bleiben“, sagt er.

Für Plagens sind drei Kennzahlen entscheidend: Umsatzrendite, Eigenkapital und Liquidität:

  • Die Rendite sollte 1,5 bis 1,8 Prozent betragen; mindestens jedoch 0,8 bis 1 Prozent betragen.
  • Die Liquidität sollte für das laufende und das kommende Geschäftsjahr gesichert sein.
  • Und die Eigenkapitalquote sollte mindestens 15 Prozent der Bilanzsumme betragen.

Peter Plagens, Gründer der Controlling-Software Plan App: Unternehmer kommen zu 90 Prozent zu spät.(Bild:  Stefan Schmitt - Die goldene Kuh)
Peter Plagens, Gründer der Controlling-Software Plan App: Unternehmer kommen zu 90 Prozent zu spät.
(Bild: Stefan Schmitt - Die goldene Kuh)

Als häufigsten hausgemachten Fehler in den Kfz-Betrieben nennt er die unzureichende Liquiditätssteuerung. Er rät zu einem wöchentlichen Finanzstatus mit einer Vorschau auf drei Wochen.

Zu spät gehandelt: Haftung droht

Unternehmer kommen laut Plagens zu 90 Prozent zu spät. Er führt das auf die sogenannte „Schuldenturmmentalität“ zurück, denn eine Pleite gelte in Deutschland noch immer als Schmach.

Die Gefahr einer Insolvenzverschleppung sei „sehr groß“, warnt Plagens. Geschäftsführer könnten dann unter Umständen persönlich haften. Das gilt auch für Versäumnisse bei der Krisenfrüherkennung. Nach § 1 StaRUG sind Geschäftsführer von Kapitalgesellschaften und GmbH & Co. KG verpflichtet, Risiken frühzeitig zu erkennen. Sie müssen Sanierungsmaßnahmen einleiten, die Gesellschafter informieren und ihre Gegenmaßnahmen dokumentieren. Hilfreich seien ein monatliches Controlling, eine laufende Planung und Branchenvergleiche mit den besten Betrieben.

Wege aus der Krise

Aus eigener Kraft schaffen es gefährdete Betriebe laut Plagens selten. Er empfiehlt, frühzeitig externe Fachleute für die Restrukturierung hinzuzuziehen, solange noch Liquidität da ist und das Eigenkapital positiv bleibt. Bei großen Betrieben sei das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung inzwischen häufig der Regelfall.

Wenn sich das Geschäftsmodell nicht mehr tragfähig aufstellen lasse, seien auch ein Verkauf oder ein starker Partner eine Option. Eine weitere sei, sich auf die Werkstatt zu konzentrieren und sich neue Geschäftsfelder zu erschließen.

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