Neuzulassungen Die Zulassungsentwicklung verliert an Schwung

Von Andreas Grimm 4 min Lesedauer

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Im Neuwagengeschäft hat der Oktober gezeigt, dass der Nachfrage in der Breite der Schwung fehlt. Während der BEV-Absatz boomte, lässt die Schwäche der anderen Antriebsarten den Markt fast schon stagnieren.

(Bild:  Rehberg / »kfz-betrieb«)
(Bild: Rehberg / »kfz-betrieb«)

Der Aufwärtstrend des deutschen Neuwagenmarkts hat sich im Oktober abgeschwächt, am Kundeninteresse an der Elektromobilität lag es allerdings nicht. Wie aus den Daten des Kraftfahrtbundesamts hervorgeht, kamen im zehnten Monat des Jahres 254.492 Pkw neu auf die Straßen. Das waren 1,7 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Damit bleibt die Oktober-Entwicklung deutlich hinter dem kumulierten Aufwärtstrend des Jahres zurück. Zwischen Anfang Januar und Ende Oktober wurden 2,476 Millionen Neuwagen zugelassen – ein Plus von 4,9 Prozent. Allerdings geht der Zuwachs zu einem großen Teil auf die Zulassungssprünge im März (+16,0) und Juni (+15,7 %) zurück.

Treiber der letztlich nur leichten Aufwärtsentwicklung war einmal mehr die BEV-Nachfrage. Im Oktober wurden 94.086 BEV neu zugelassen, 79,5 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Der BEV-Anteil an den Pkw-Neuzulassungen erreichte 37,0 Prozent und liegt damit rund 16 Prozentpunkte über dem Vorjahreswert. Im Gesamtjahresverlauf (700.000 Einheiten) sind es 28 Prozent.

Die Neuzulassungen von Plug-in-Hybriden (PHEV), für die sich aktuell der Verband der Automobilindustrie (VDA) stark macht, gingen im Oktober dagegen um 7,9 Prozent auf 28.499 Fahrzeuge zurück. Ihr Anteil am Pkw-Markt betrug 11,2 Prozent. Seit Jahresbeginn wurden 275.988 PHEV neu zugelassen (+11,0 %).

Dass die BEV-Nachfrage hoch bleibt, sieht Constantin Gall, Mobilitätsexperte der Unternehmensberatung EY, ambivalent. „Der Markt läuft – aber er läuft vor allem wegen der Prämie. Daran wird sich in den nächsten Monaten auch nichts ändern, denn der Fördertopf ist noch längst nicht ausgeschöpft“, kommentiert er das Monatsergebnis. Ob danach die Nachfrage wieder erlahmt, ist aus seiner Sicht derzeit nicht sicher zu beantworten.

Der ZDK begrüßt dagegen den elektrogeförderten positiven Trend. Damit der Hochlauf anhält und Elektromobilität weitere Käufergruppen erreicht, müssen die Fahrzeuge allerdings erschwinglicher werden und im Alltag überzeugen. „Entscheidend ist jetzt, dass sich immer mehr Menschen ein Elektroauto leisten können und ein Modell finden, das zu ihren Bedürfnissen passt“,sagte ZDK-Präsident Thomas Peckruhn.

Privatkunden nutzen die E-Prämie

Fakt ist, dass das Elektro-Wachstum derzeit vor allem von Privatleuten getragen wird – also von jener Gruppe Kunden, die prämienberechtigt ist. Privatkunden ließen im September 171 Prozent mehr E-Autos zu als ein Jahr zuvor. Auf sie entfielen im Oktober 53 Prozent der BEV-Neuzulassungen. Im gewerblichen Markt fiel das BEV-Plus mit 53 Prozent deutlich kleiner aus. Die Kernfrage ist für Gall, „ob diese Verschiebungen temporär oder dauerhaft sind“.

Dass die Lage des Neuwagenmarkts mittelfristig angespannt bleibt, zeigt der Auftragseingang aus dem Inland der deutschen Hersteller. Dieser verharrte nach Angaben des VDA im Oktober auf dem Niveau des Vorjahres. In den Monaten zuvor war immerhin eine leichte Aufwärtsentwicklung erkennbar. Allerdings verschieben sich derzeit die Anteile im Neuwagenmarkt – nicht zuletzt aufgrund der Elektromobilität – zugunsten der Importmarken, deren Absatz im Oktober deutlich zulegte (+6,0 %), während die deutschen Fabrikate drei Prozent verloren.

Chinesische Marken legen weiter stark zu

Am stärksten legten erneut die chinesischen Marken zu: Ihr Absatz kletterte im Oktober um 63 Prozent, ihr Marktanteil stieg von 5,2 auf 8,4 Prozent – und lag damit auf dem Rekordniveau des Vormonats. „Ein Ende des Aufwärtstrends bei den chinesischen Herstellern ist nicht in Sicht, zumal sie überdurchschnittlich stark von der Elektro-Prämie profitieren“, heißt es dazu von EY.

Für Gall ist die Entwicklung die Folge von erledigten Hausaufgaben der chinesischen Hersteller. „Beim Preis-Leistungs-Verhältnis sind manche Modelle kaum zu schlagen. Und gerade bei günstigen Einstiegs- und Volumenmodellen haben die etablierten Hersteller Lücken gelassen, in die die chinesischen Marken jetzt hineinstoßen“, analysierte er.

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Im Rückwärtsgang ist die Bedeutung der meisten anderen Antriebsarten. 38.516 Pkw waren mit einem Benzinantrieb ausgestattet (-40,5 %). Ihr Anteil betrug nur noch 15,1 Prozent an den Oktober-Neuzulassungen. Dazu kommen 23.882 Diesel-Neuwagen (-21,6 %), die auf einen Anteil von 9,4 Prozent kommen. Allerdings bieten viele OEM ihre Verbrennungsmotoren in hybridisierter Form an, weswegen sie vom KBA im Hybridsegment erfasst werden. Dieses stand im Oktober für 26,5 Prozent der Neuzulassungen. Konjunktur haben auch die flüssiggasbetriebenen Pkw (2.065 Einheiten), deren Zahl um 121,6 Prozent zulegte. Darin spiegeln sich die hohen Kraftstoffpreise wider. Der durchschnittliche CO2-Ausstoß der Neuzulassungen liegt bedingt durch den veränderten Antriebsmix bei 79,4 g/km (-21,1 %).

Elektromarken mit großen Absatzsprüngen

Blickt man auf die Entwicklung der Marken, finden sich naheliegenderweise die Fabrikate mit einem hohen Elektroanteil ganz vorne im Ranking wieder. Prozentual größter Gewinner unter den Marken mit mindestens 0,5 Prozent Marktanteil ist Tesla. Der US-Autobauer legte um 291 Prozent zu (2.932 Einheiten / 1,2 % Marktanteil). Mit einem bereits höheren Absatz folgen dahinter Leapmotor (3.661 / 1,4 %) und Xpeng (1.380 / 0,5 %).

Die rote Laterne unter den relevanten Marken hat Opel mit einem Zulassungsrückgang um ein Viertel (10.130 / -24,1 %). Auch Hyundai (6.961 / -15,3 %) setzt den Sturzflug fort. In die Reihe der Verlierer sortiert sich im Oktober ungewohnter Weise auch Skoda ein. Die Tschechen büßten 12,1 Prozent ein (19.535 Einheiten), kumuliert liegen die Verkäufe jedoch knapp 10 Prozent im Plus.

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