CO2-Emissionen VDA fordert mehr Unterstützung für Plug-in-Hybride

Quelle: dpa 2 min Lesedauer

Die klimapositive Wirkung von Plug-in-Hybriden ist umstritten, die Politik will deren Potenzial für die Klimaziele der Hersteller senken. Die warnen nur vor einer Senkung des zugrunde liegenden Utility Factors und verweisen auf gefährdete Arbeitsplätze.

Stromern oder Tanken – bei PHEV ist beides möglich. Aber nutzen die Verbraucher den E-Antrieb häufig?(Bild:  Daimler)
Stromern oder Tanken – bei PHEV ist beides möglich. Aber nutzen die Verbraucher den E-Antrieb häufig?
(Bild: Daimler)

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) mahnt dringend eine Anpassung bei Regeln zu Hybrid-Autos an. „Es ist absolut unverständlich, dass die EU weiter an der für diesen Monat vorgesehenen Verschärfung des sogenannten Utility Factors für Plug-in-Hybride festhält. Damit gefährdet Brüssel allein in Deutschland rund 50.000 Arbeitsplätze, insbesondere auch in der Zulieferindustrie“, kritisierte VDA-Präsidentin Hildegard Müller. Das sei das Gegenteil einer technologieoffenen und wirtschaftsfreundlichen Politik, die Brüssel versprochen habe.

Der Utility Factor zeigt an, wie gut Plug-in-Hybride zum Erreichen der Klima- und Flottenziele der Hersteller beitragen. Bisher wurde bei der Typgenehmigung von Autos angenommen, dass Plug-in-Hybride einen relativ hohen Anteil ihrer Fahrstrecke elektrisch zurücklegen. Nutzungsdaten zeigen aber, dass viele von ihnen seltener geladen werden und häufiger mit dem Verbrennungsmotor statt elektrisch fahren als angenommen. Deshalb wird der Rechenfaktor zum 29. November verändert, ab 2027 soll das noch breiter greifen.

Plug-in-Hybride gleichen dann rechnerisch weniger stark Verbrenner aus, sodass Hersteller weniger E-Autos verkaufen müssen, um das CO2-Ziel für 2030 einzuhalten. Verschiedene EU-Staaten haben sich dagegen ausgesprochen. Die deutsche Bundesregierung hatte sich im Frühjahr ebenfalls auf diese Position geeinigt. Für eine Änderung müsste die EU-Kommission handeln.

„Wir drohen eine Technologie in Europa zu verlieren, die weltweit nachgefragt wird“, warnte Müller. Plug-in-Hybride würden weltweit weiter von großer Bedeutung sein. „Deshalb ist die klare Forderung der Autoindustrie an Brüssel: Stoppt sofort die Verschärfung des Utility Faktors für die Hybride.“ Brüssel müsse „der Plug-in-Technologie eine Perspektive geben. Wir erwarten entsprechende Unterstützung aus Berlin.“

Die Nachhaltigkeitsorganisation Transport & Environment hatte dagegen vor Kurzem die Bundesregierung dazu aufgefordert, an der Korrektur des Nutzfaktors festzuhalten. Sonst würden die tatsächlichen Emissionen weiter unterschätzt. Eine Folge davon sei auch, dass Autofahrer mehr für das Betanken ihrer Plug-in-Hybride zahlen als von Herstellern angegeben.

Arbeitgeberverband warnt vor weiterem Arbeitsplatzabbau

Hinsichtlich der Arbeitsplätze läuft angesichts des laufenden Tarifkonflikts in der Metall- und Elektroindustrie auch der Arbeitgeberverband Gesamtmetall Sturm. „Seit 2019 hat die Deindustrialisierung allein in der Metall- und Elektro-Industrie 350.000 Arbeitsplätze gekostet“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Oliver Zander, der „Bild“-Zeitung. „Angesichts der Unterauslastung sind weitere 300.000 Arbeitsplätze allein in der M+E-Industrie in den nächsten zwei bis drei Jahren bedroht.“

Die Warnung dürfte auch im Kontext der Auseinandersetzung mit der IG Metall um höhere Entgelte in der Branche stehen. Die Gewerkschaft fordert bei einer Laufzeit von zwölf Monaten fünf Prozent mehr Geld sowie die Sicherung von Jobs und Standorten. Die Arbeitgeber haben in der zweiten Verhandlungsrunde ein Angebot vorgelegt, das zunächst eine Einmalzahlung und eine Stufenerhöhung von 1,3 Prozent im Juli 2028 bei einer Laufzeit von 26 Monaten vorsieht.

Zander warnte die IG Metall, angesichts der sich weiter verschlechternden Lage zu einer Eskalation des Tarifkonflikts beizutragen. „Die Lage ist katastrophal, die Unternehmen kämpfen vielfach um das Überleben und eine Besserung ist nicht in Sicht“, sagte er. „Die IG Metall-Forderung von fünf Prozent für zwölf Monate ist deshalb unverantwortlich.“

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