Praxistest Warum auch der ID Buzz ein echter Bulli ist

Von Dr. Martin Achter und Dipl.-Ing. (FH) Jan Rosenow 4 min Lesedauer

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Geräumig, komfortabel, sparsam – das wären schon genügend Gründe, sich für ein Auto zu entscheiden. Doch beim ID Buzz kommt noch dieses unvergleichliche Design hinzu. Glücklicherweise sorgt Volkswagen mit seiner Preispolitik dafür, dass er nicht an jeder Ecke steht.

Campingurlaub elektrisch: Der ID Buzz LWB macht im natürlichen Habitat auf dem Stellplatz eine gute Figur.(Bild:  Achter – VCG)
Campingurlaub elektrisch: Der ID Buzz LWB macht im natürlichen Habitat auf dem Stellplatz eine gute Figur.
(Bild: Achter – VCG)

Ob es VW mit dem ID Buzz tatsächlich gelungen ist, das legendäre Bulli-Erbe erfolgreich in die elektromobile Neuzeit zu transferieren, das wird wohl jeder Fan anders beurteilen. Doch nach zwei Wochen in Diensten von »kfz-betrieb« lässt sich auf jeden Fall sagen, dass der ID Buzz ist weit mehr als nur ein Marketinggag im Retrodesign: Er ist ein kompetentes Alltagsauto und meistert die Langstreckenfahrt und das Campingwochenende ebenso souverän wie den Stadtverkehr.

Für den Test stand uns der ID Buzz mit dem langen Radstand (LWB) zur Verfügung. Diese Variante ist immer mit dem größten lieferbaren Akku (86 kWh) ausgestattet – beim kürzeren ID Buzz passen nur 77 kWh zwischen die Achsen. Gemessen an SUVs mit vergleichbaren Abmessungen und Platzangebot, etwa dem Hyundai Ioniq 9 oder manchen Chinesen, fehlt es aber auch dem längeren ID Buzz etwas an Reichweite – eine 100-kWh-Batterie wäre der Fahrzeugklasse angemessener und angesichts des Preises auch gerechtfertigt.

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Aber auch mit 86 kWh ist die Reichweite ordentlich und durchaus urlaubstauglich. 400 Kilometer sind bei E-adäquater Fahrweise drin. Auf einem Autobahntrip von Würzburg nach Zwickau brauchte der Testwagen im Durchschnitt 22,4 kWh auf 100 Kilometern. Dabei macht der immerhin 210 kW/286 PS starke Heckmotor mit seinen 550 Newtonmetern beachtliche Fahrleistungen möglich: In unter acht Sekunden geht es, wenn es sein muss, von null auf 100 km/h.

Aber wegen seiner sportlichen Fahrleistungen kauft sicher niemand einen ID Buzz. Viel wichtiger sind das generöse Platzangebot und die vielfältig einstellbare Sitzlandschaft.

Viel Platz, aber nur 435 Kilo Zuladung

Mit Campinggepäck für eine vierköpfige Familie ist der Kofferraum allerdings schnell gefüllt, bietet jedoch trotzdem reichlich Platz. Beachten muss man allerdings die überschaubare Zuladung von nur 435 Kilogramm.

Bei der automatischen Heckklappe hat uns jedoch der Fußsensor gestört: Man kommt sehr leicht an ihn heran, bei uns löste er oft unbeabsichtigt aus. Dann will das Fahrzeug die Heckklappe schließen, was natürlich unerwünscht ist, wenn man beim Camping einfach nur einen Gegenstand entnehmen, das Fahrzeug aber weiter geöffnet lassen will.

Insgesamt ist das Fahrzeug gut zu überblicken. Ein Detail erschließt sich erst auf den zweiten Blick – bei kurzem Nachdenken dafür umso schneller: Die rechte Hintertür öffnet beim Laden nicht automatisch. Das ist sinnvoll, denn sie könnte sonst Ladekabel oder Stecker beschädigen.

Zum Übernachten bietet der ID Buzz mittlerweile einen Camping-Modus, den man im Menü unter „Ambiente“ findet, wo auch das Lichtszenario geregelt wird. Er steuert Klimatisierung und Stromverbrauch und deaktiviert laut Volkswagen auch die Alarmanlage. In der digitalen Bedienungsanleitung im Infotainmentsystem haben wir dazu zunächst allerdings nichts gefunden, auch keinen Hinweis auf den besten Übernachtungsmodus. Die Auskunft gab es erst auf Nachfrage beim Hersteller.

Liegefläche mit dem Gute-Nacht-Paket

Wir haben außerdem einen eigenen Weg gefunden, der besonders wenig Energie braucht: Alle Fenster und Luken schließen und dann an der Fahrertür im Bereich der Fensterheber die Innenverriegelung drücken. Danach blieb praktisch alles ausgeschaltet, auch die Klimaanlage. Innenraumüberwachung und Diebstahlschutz wurden dabei nicht aktiv. Zum Verlassen genügt ein Türöffner. Der Haken: Wer hinten eine Schlaffläche gebaut hat, muss sich über den Fahrersitz nach vorn strecken, um die Verriegelung zu erreichen. Mit kürzeren Armen dürfte das kaum gelingen. Die Schlaffläche gibt es beim Hersteller passgenau als Gute-Nacht-Paket ab 2.600 Euro.

Strom aus dem Auto lässt sich auch unterwegs nutzen („Vehicle to Load“), etwa für einen Wasserkocher, den wir direkt ans Fahrzeug angeschlossen haben. Die unverbindliche Preisempfehlung hierfür liegt bei um die 200 Euro.

Kommen wir aber zum schmerzhaftesten Thema beim VW ID Buzz – dem Gesamtpreis für das Fahrzeug. Wobei, gemessen an anderen Elektroautos liegt der Grundpreis gar nicht in so unerreichbarer Höhe. Los geht es beim ID Buzz bei 52.270 Euro mit kurzem Radstand und kleiner Batterie (58 kWh). Der Sprung auf den langen Radstand und die große Batterie ist mit rund 5.600 Euro auf 57.887 Euro dann gar nicht so groß. Wie üblich zahlreich und verlockend sind die Möglichkeiten, Kreuzchen auf der Optionsliste zu machen. Der Testwagen kam so mit Goodies wie der hübschen Zweifarblackierung (3.094 Euro), den 20-Zoll-Rädern (2.957 Euro) und diversen Paketen auf einen Endpreis von 77.915 Euro. Aber ein Bulli war eben noch nie günstig – auch hier bleibt der ID Buzz der Tradition treu.

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